Caroline Peters über Elfriede Jelineks „Schwarzwasser“

Für ihre Rolle in Elfriede Jelineks turbulent-postdramatischer Auseinandersetzung mit der Ibiza-Affäre wurde Burgtheater-Ensemblemitglied Caroline Peters mit dem Nestroypreis ausgezeichnet.

von Sarah Wetzlmayr, 29. Oktober 2020

Caroline Peters über Elfriede Jelineks „Schwarzwasser“
Felix Kammerer, Christoph Luser, Caroline Peters, Caroline Baas (von links nach rechts) in Elfriede Jelinkes „Schwarzwasser" am Wiener Burgtheater. Schwarzwasser Elfriede Jelinek Regie: Robert Borgmann Premiere am 6. Februar 2020, Akademietheater

BÜHNE: Haben Sie sich die Ausschnitte aus dem Ibiza-Video zur Vorbereitung auf „Schwarzwasser“ angesehen?

Caroline Peters: Die Ausschnitte, die man sehen konnte, habe ich mir natürlich angesehen. Aber „Schwarzwasser“ handelt ja von sehr viel mehr Themen als diesem Video. Die Informationen in Frau Jelineks Kopf sind so ungeheuer reichhaltig und verweben so viele politische Ereignisse und Ebenen und Gedanken, dass man mit dem Video allein eigentlich nicht weit kommt.

Inhalt und Wortwitz, aber wenig Rolle

Wie bereitet man sich überhaupt auf eine Rolle vor, die so sehr im politischen Geschehen des Hier und Jetzt verankert ist?

Caroline Peters: Die Texte von Jelinek bieten nur wenig Rolle an. Es gibt keine Psychologie oder Handlung der man irgendwie folgt. Es gibt Inhalt, Wortwitz und Auftrittsmöglichkeiten. Die Vorbereitung bestand bei uns aus vielen Stunden, in denen wir gemeinsam gelesen, interpretiert, verstanden haben. Und wir haben Quellen aufgedeckt und Bezüge herausgefunden, die Jelinek bildet, die aber nicht immer offensichtlich sind. Wie kommt beispielsweise der deutsche Gerichtsprozess um die NSU-Morde ins Schwarzwasser geronnen, usw.

„Ich habe draußen im Auto alleine gewartet habe, bis das Stück zu Ende war.“

Caroline Peters über ihre erste Erfahrung mit Elfriede Jelinek im Theater – die Schauspielerin war damals 13 Jahre alt.

Können Sie sich noch an Ihr erstes Zusammentreffen mit Elfriede Jelinek erinnern? Oder an den ersten Berührungspunkt mit einem ihrer Texte?

Caroline Peters: Oh ja – mein Vater nahm mich mit in eine Aufführung im Theater in Bonn, es muss Mitte der achtziger Jahre gewesen sein. Das Stück „Burgtheater“ wurde gespielt. Unter einer großen abendmahlartigen Tafel wurde einem Schauspieler ein Fake-Bein abgerissen und oben am Tisch von den anderen verzehrt. Ich war dreizehn Jahre alt, habe alles sehr ernst genommen und war so angeekelt und entsetzt, dass ich draußen im Auto alleine gewartet habe, bis das Stück zu Ende ist. Aber mein Vater hat es sich ganz angesehen und wusste nicht, was mich so schockiert hatte. Verstanden habe ich damals nichts, ich wusste nicht einmal, was das Burgtheater genau ist.

Spielplanänderung

Hinweis: Die nächsten Vorstellungen im Burgtheater finden aufgrund der österreichweiten Corona-Maßnahmen im Dezember statt.

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