Die Highlights des diesjährigen ImPulsTanz Festivals

Genauso vielfältig wie das Workshop-Programm präsentiert sich die Auswahl an Performances, die beim diesjährigen ImPulsTanz Festival zu sehen sein werden. Die BÜHNE hat sich das Programm genauer angesehen.

von Sarah Wetzlmayr, 19. Juli 2021

Die Highlights des diesjährigen ImPulsTanz Festivals
„Traces" heißt das aktuelle Stück von Wim Vandekeybus, das erstmals in Österreich gezeigt wird. Foto: Danny Willems

Von 15. Juli bis 15. August präsentiert das 1984 als Workshop-Festival gegründete ImPulsTanz Festival insgesamt 23 Uraufführungen, 35 österreichische Erstaufführungen, drei ImPulsTanz Classics und neun Arbeiten der „8:tension“ Young Choreographers’ Series in insgesamt zwölf Spielstätten. Wir haben eine Liste an (subjektiven) Highlights zusammengestellt.

Anna Huber: Unsichtbarst²

1998 hat Anna Huber ihren zwischen Unberechenbarkeit, strenger Ästhetik und formaler Perfektion angesiedelten Tanz erstmals gezeigt. Mehr als 20 Jahre später hat sie ihr Stück nun neu erarbeitet. Es untersucht den Blick auf einen sich ständig verändernden Körper, der auf einem spiegelnden Quadrat ausgestellt wird, zu einer lebenden Skulptur wird und von allen Seiten Blicke auf sich zieht.

Wo: Leopold Museum | Wann: 31. Juli & 2. August

Astrit Ismaili: Miss

Für die Pop-Operette „Miss“ hat sich der ursprünglich aus dem Kosovo stammende Künstler Astrit Ismaili mit einer „Ersten Blume“ (Ivan Cheng) und „Cicciolina“ (Magdalena Mitterhofer) zusammengetan. Ismaili selbst tritt als „Miss Kosovo“ auf. Auf ebenso unterhaltsame wie reflektierte Weise geht es in „Miss“ um Machtverhältnisse und die Kraft der Kreativität. Zumeist gefühlvoll überzeichnet.

Wo: Kasino am Schwarzenbergplatz | Wann: 23. & 25. Juli

Mit „The Sacrifice“ präsentiert die international bekannte Choreografin Dada Masilo ihr aktuelles Stück. Foto: John Hogg

Dada Masilo / The Dance Factory: The Sacrifice

Als die international bekannte Künstlerin Dada Masilo 2019 an ihrem jüngsten Stück „The Sacrifice“  zu arbeiten begann, fragte sie unter anderem: „Was opfern wir in unserem täglichen Leben?“ Daraus entstand schließlich die Idee, die eher schlichte Handlung des „Frühlingsopfer“, 1913 von Igor Strawinsky und Vaslav Nijinsky produziert, zu erweitern, um „eine größere Geschichte zu erzählen“. Ergebnis ist ein sehr emotionales Werk, das sie gemeinsam mit elf Tänzer:innen ihres Johannesburger Ensembles auf die Bühne bringt.

Wo: Volkstheater | Wann: 28., 30. & 31. Juli

Extravagante Roben und Technoklänge

Frank van Laecke, Alain Platel, Steven Prengels – NTgent & les ballets C de la B: Gardenia – 10 years later

„Gardenia” feiert die Freiheit der Nacht, wenn die schicken Anzüge im Schrank landen und die extravaganten Roben endlich wieder einmal ausgeführt werden können. Das Stück lässt die Verwandlung als Fest der Travestie hochleben. Mehr als zehn Jahre nach der Uraufführung wird es bei ImPulsTanz in neubearbeiteter Form, aber in beinahe vollständiger Originalbesetzung wieder gezeigt.

Wo: Volkstheater | Wann: 7. & 9. August

Für Technofans: Frédéric Gies und die Weld Company. Foto: Thomas Zamolo

Frédéric Gies & Weld Company: Tribute

„Ein Tanz ist immer das Produkt anderer Tänze sowie der Anreiz für künftige“ könnte der Leitsatz für das technolastige Stück des in der Schweiz geborenen Künstlers Frédéric Gies lauten. So umfasst das Stück verschiedene Tänze seiner Werkbiographie und verbindet sie zu einem körperbetonten, kraftvollen Tanz, in dem Gemeinschaft ebenso zählt wie individuelle Besonderheiten.

Wo: Odeon | Wann: 21., 22. & 23. Juli

In Memoriam Ismael Ivo

Auf der Volkstheater-Bühne werden Größen der Tanzszene wie unter anderen Germaine Acogny, Jose Agudo, Ivo Dimchev, Raja Feather Kelly, das Klangforum Wien, Koffi Kôkô, Louise Lecavalier, Dada Masilo, Akemi Takeya und Doris Uhlich den im April verstorbenen Tänzer und Choreografen Ismael Ivo feiern und hochleben lassen. Der Eintritt ist frei, eine Kartenreservierung ist dennoch notwendig.

Wo: Volkstheater | Wann: 1. August

Höhen und Tiefen des Lebens

Ivo Dimchev: Halal

Mit „Halal“ zeigt der international bekannte Choreograf, Performer, Autor, Musiker und bildende Künstler Ivo Dimchev nach „Selfie Concert“ nun wieder ein Konzertformat. Die Liedersammlung entstand während des vergangenen Jahres und ist daher auch von dieser schwierigen Zeit geprägt.

Wo: Odeon | Wann: 31. Juli

Lau Lukkarila: Nyxxx

Inspiriert von der Figur der Nyx, der wilden griechischen Göttin der Nacht, erforscht Lau Lukkarila den Stellenwert des Erotischen in unserer Zeit. Dabei spielen gelebte Erfahrungen, edle Negligés und eine E­-Gitarre wichtige Rollen.

Wo: Kasino am Schwarzenbergplatz | Wann: 27. & 29. Juli

Die kanadische Tanzikone Louise Lecavalier kommt nach Wien. Foto: Andre Cornellier

Louise Lecavalier: Stations

Mit dem Satz „Ich bin allein auf der Bühne – in ein Labyrinth gestürzt mit meinem Irrsinn“ beschreibt die kanadische Tanzikone Louise Lecavalier jenen Zustand, in den sie sich in ihrem Stück „Stations“ begibt. Sie manövriert sich darin durch vier Körperzustände: einen fließenden, einen kontrollierten, einen meditativen und einen obsessiven. „Ich weiß nicht mehr, ob diese Stationen wirklich für sich stehen oder ob sie einfach Markierungen sind, die die Höhen und Tiefen meines Lebens nachzeichnen“, sagt Lecavalier.

Wo: Akademietheater | Wann: 29. & 31. Juli

Der Lauf der Zeit

Meg Stuart / Damaged Goods: Cascade

„Cascade“ ist ein temporeiches Stück, das den Rausch der Zeit reflektiert. Außerdem zeigt es, dass für Choreografin Meg Stuart die Zeit eine vieldimensionale Kaskade ist, in der, wie sie sagt, „verschiedene Realitäten zugleich existieren“. Sieben Tänzer:innen jagen in diesem Stück, das bei ImPulsTanz seine Uraufführung erlebt, durch expandierende, aufplatzende und kollabierende Zeitblasen.

Wo: Volkstheater | Wann: 17. & 19. Juli

Ein weiteres Highlight: Meg Stuart zeigt „Cascade“. Foto: Martin Argyroglo

Raja Feather Kelly: Ugly

Der amerikanische Tänzer und Choreograf zeigt in Wien eine Trilogie, die aus den Performances „Ugly (Black Queer Zoo)“, „Hysteria (Ugly Part 2)“ und „Ugly Part 3: Blue“ besteht. Im letzten Teil möchte Kelly das Ausgegrenzte („Black Queer Zoo“) und das Fremde („Hysteria“) der afroamerikanischen Subjektivität in eine Zone der Einfühlung, also „nach Hause“ führen.

Wo: Kasino am Schwarzenbergplatz | Wann: 21. Juli bis 15. August

Drei zusammenhängende Stücke präsentiert Raja Feather Kelly. Foto: Maria Baranova

Sophia Rodríguez: Ostentation Project

In ihrem neuesten Solostück widmet sich Sophia Rodríguez dem Spannungsfeld zwischen Selbstbild und Fremdbild. Und zeigt sich, wie für die Performerin üblich, dabei alles andere als von ihrer schüchternen Seite.

Wo: Schauspielhaus | Wann: 16. & 18. Juli

Ultima Vez / Wim Vandekeybus: Traces

Wilder Tanz, energiegeladene Körper, atemberaubende Sinnlichkeit und ein gewisser Hang zum Brachialen kennzeichnen die Werke von Wim Vandekeybus, der zu den einflussreichsten Choreografen der Gegenwart zählt. Eine Reise in die Wälder Rumäniens hat ihn dazu inspiriert, das Stück „Traces“ zu produzieren. Dabei geht es nicht um „realistische Bilder“, sagt Wim Vandekeybus, sondern um „Verfremdung und Abstraktion“, die das Publikum zum Denken anregen sollen. 

Wo: Volkstheater | Wann: 3. & 5. August

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