„We are Musical“: Mein Abend mit Ana Milva Gomes, Drew Sarich, Mark Seibert und Co.

Warum Musical glücklich macht, Ana Milva Gomes Dancing Stars moderieren sollte und lesbare Sitznummern Sinn machen.

Nein. Das wird jetzt keine Kritik. Die BÜHNE ist kein Kritiker-Magazin und wird es auch nicht werden. Die BÜHNE ist ein Lustmacher und das, was am Sonntag Abend bei der Eröffnung-Gala ,We are Musical‘ im neu eröffneten Raimund-Theater passiert ist war ganz, ganz große Lustmache.

Roter Teppich und Kameragegenlicht

Aber der Reihe nach. Eröffnungs-Galas haben einen roten Teppich. An dessen Seite gibt es Kordeln, vermutlich damit nicht so ortskundige Prominente den Weg ins Theater finden. Hinter den Kordeln stehen Kameras und Fotografen. In Wien ist alles, wie immer, charmanter: Da gibt es dann neben dem roten Teppich auch noch ein paar andere Eingänge, wo man ohne Kameragegenlicht ins Theater kommt. Interessiert es Sie welche Prominente da waren? Ich hab Vera Russwurm gesehen und Alfons Haider. Letzterer sollte „mehr Kohlehydrate essen, so dünn, wie der ist“, sagte die Dame im Parkett vor mir. Ich enthalte mich.

Lilian Klebow stand auch auf der Prominentenliste, die habe ich aber nicht gesehen. Leider, ich hätte mich gefreut. Ach ja. BÜHNE-Kolumnist Christoph Wagner Trenkwitz habe ich ganz ohne Hilfe  erkannt. Er war in dem Lokal essen, vor dem ich mein Motorrad geparkt habe. Aber kurz bevor ich ,Hallo‘ sagen konnte ist er in Richtung roter Teppich abgebogen. Vermutlich zahlen wir von der BÜHNE nicht sonderlich gut.

Foto: Stefanie J. Steindl

Helles und modernes Raimund Theater

 Aber jetzt zu einem der beiden Stars des Abends.

Die Renovierung des Raimundtheater ist sensationell gelungen. Ich erspare ihnen jetzt den großen Überblick, aber ein – Match entscheidendes – Detail möchte ich erwähnen. MAN KANN DIE SITZNUMMERN LESEN!

Auch wenn es Dunkel ist, auch wenn man Lesebrillen braucht. Überhaupt hat man das Gefühl, als hätte man im ganzen Raimund Theater das Licht aufgedreht. Diese Helligkeit beginnt schon am neugestalteten Vorplatz und zieht sich über den neuen Garderobenbereich bis hin zu den Toiletten. Da hängen im Übrigen jetzt die Lampen, die früher im Saal montiert waren.

Falls Sie bis an diese Stelle des Textes durchgehalten haben – Glückwunsch, jetzt erfahren Sie alles zur Show.

Fragen und Erkenntnisse

Oder machen wir es anders. Es haben sich ein paar Fragen aufgetan, aber viel mehr Erkenntnisse.

  1. Die ,We are Musical‘-Show hätte genauso in London, Hamburg oder Amsterdam stattfinden können. Weltniveau. Es war eine Mischung aus großer 50er-Show-Treppe und modernen Musical-Theater. In Zeiten der kollektiven Corona-Depression echtes Labsal (was für ein schönes altes Wort) für die Seele.
  2. Wer immer in Österreich in naher Zukunft eine Show, egal ob im Fernsehen oder live plant, sollte Regisseur Alex Balga dafür engagieren. Balga ist derzeit Intendant des Musical Sommers Amstetten und sollte schleunigst irgendwo fix in Wien an ein Theater gebunden werden. Zauberhaft. Temporeich. Ironisch. Gefühlvoll. All das hat er mit einer Leichtigkeit hinbekommen, die den Besucher*innen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Vor der Show war Balga im Übrigen mit dem Rest des Leading Teams im Restaurant ,Zum Wohl‘ essen. Diese Info hat keinerlei Bedeutung für den Abend. Vielleicht hat er eine Glutenunverträglichkeit, vielleicht war er aber auch nur hungrig. Ich stalke ihn nicht, sondern saß nur einen Tisch weiter.
  3. Thomas Kahry hat das Buch zur Show geschrieben. Das er das kann, weiß man. ABER: Warum wird der Mann nicht für alle bunten ORF-Shows als Autor gebucht?  
  4. Ana Milva Gomes sollte die nächste Staffel von Dancing Stars moderieren. Sie hat Sill. Klasse. Witz und ist umwerfend charmant. Oder anders gesagt: Sie ist eine Wucht. Außerdem könnte sie jederzeit zu singen beginnen, wenn einer der Dancing Stars sich als Trantüte entpuppt. Man könnte sie auch die Schlagernacht am Wasweißich-See moderieren lassen. Am Klügsten gemeinsam mit Christian Struppeck. Der kann moderieren nämlich auch.
  5. Die Solist*innen des Abends waren bombastisch. Man merkt: Die lange Corona-Pause hat den Stimmen gut getan. Falls Sie fragen: Drew Sarich, der Rockstar unter den Musical-Sängern bekam den meisten Applaus. Mark Seibert hatte sein Hemd am weitesten aufgeknöpft. Vermutlich braucht seine Stimme mehr Belüftung. Carin Filipčić ist einfach Kult. Maya Hakvoort ein Star und Milica Jovanovic bezaubert mit jeder Note. Und Vanessa Heinz und Oedo Kuipers? Über die schreibe ich jetzt nicht. Sie sind die Coverstory der nächsten BÜHNE.

In der Pause gab es dann einen VIP-Empfang. Ich war eingeladen, habe mich aber beim Stiegen-Aufgang verplaudert. Also keine Ahnung, ob Alfons Haider vielleicht dort ein paar Kohlehydrate zu sich genommen hat. Fazit: Ein wunderbarer Abend, der einen über die folgenden Tage des Alltags rettet.

Zu den Vereinigten Bühnen Wien