Japan am Bodensee

Das Bühnenbild: ein überdimensionales Blatt Papier. In der Hauptrolle: Star-Sopranistin Elena Guseva. Mit „Madama Butterfly“ möchten die Bregenzer Festspiele auch heuer wieder für unvergessliche Opernerlebnisse sorgen.

Ein überdimensionales Blatt Papier, das scheinbar auf dem Wasser schwimmt: Das wird Bregenz-Besucher*innen heuer sofort ins Auge stechen. Es ist das Bühnenbild zur Puccini-Oper „Madama Butterfly“, die ab 20. Juli 26 Mal bei den Bregenzer Festspielen zu sehen sein wird. Das Bühnenbild von Michael Levine ist eine 23 Meter hohe, 33 Meter breite Collage mit einem riesigen, gewellten Papier. Aber auch Referenzen an die amerikanische Flagge und an fernöstliche Kultur sind in diesem Monumentalbühnenbild untergebracht. Noch im Juni werden Kascheure in luftigen Höhen japanische Malerei auf dem aus Stahl, Styropor, Holz und Fassadenputz hergestellten Riesenpapier anfertigen.

300 Tonnen schwer

Zart und zerbrechlich wie die Seele der Geisha Cio-Cio-San soll es wirken, das Blatt. So will es die Inszenierung von Andreas Homoki. Assoziationen zu Papierschiffchen, die in Gefahr schweben, unterzugehen, sind gewünscht. Und auch, wenn es in Wahrheit 300 Tonnen schwer ist, soll es schwerelos erscheinen und vermeintlich im Bodensee schwimmen.

Vor dieser 1.340 Quadratmeter großen Kulisse läuft im 76. Festspielsommer der Bregenzer Festspiele „Madama Butterfly“ ab. Das Werk, das auch als „japanische Tragödie“ bezeichnet wird, ist erstmals bei den Festspielen angesetzt.

Elena Guseva singt darin die Hauptrolle. Die Sopranistin wirkte unter anderem schon an der Mailänder Scala, der Bayerischen Staatsoper, München, der Semperoper Dresden – gerade zuletzt als Fremde Fürstin in „Rusalka“. An der Wiener Staatsoper war sie erst im Jänner als Lisa in „Pique Dame“ zu sehen, auch sang sie im Haus am Ring schon „Aida“, Tatjana in „Eugen Onegin“ und Polina in „Der Spieler“.

Große Amplitude des Lebens

Die Cio-Cio-San, die sie auch 2018 in vier Vorstellungen in Wien und außerdem wiederholt in Moskau und zuletzt an der Deutschen Oper Berlin sang, ist für sie eine klar favorisierte Partie. Sie bezeichnet die Geisha, mit der Leutnant Pinkerton eine „Ehe auf Zeit“ eingeht, sie aber letztlich verlässt, als „sehr vielschichtigen Charakter“. Sie fühle sich ihr seelisch sehr nahe, sagt Guseva. Und sie freue sich stets über die vielseitige Aufgabe: „Man zeigt eine große Amplitude des Lebens: Vom jungen naiven Mädchen bis zur gezeichneten Frau, die sich bewusst das Leben nehmen will.“ Sie liebe, dass sie mit ihr so viele Facetten durchleben könne. Außerdem sei die Partie gut für ihre Stimme: „Sie hält sie frisch, elastisch und es ist gesund für mich, sie oft zu singen.“

Neben ihr sind als Cio-Cio-San beim Spiel am See auch Celine Byrne und Barno Ismatullaeva besetzt, Pinkerton wird von Edgaras Montvidas, Otor Jorjikia und Lukasz Zaleski verkörpert. Die Wiener Symphoniker spielen unter der musikalischen Leitung von Enrique Mazzola und Yi-Chen Lin.

Abgesehen von „Madama Butterfly“ zeigt man bei den Bregenzer Festspielen heuer „Sibirien“ von Umberto Giordano, in der die Hauptfigur Stephana ihr angenehmes Leben in St. Petersburg aufgibt, wo sie Kurtisane war. Sie folgt ihrer großen Liebe Vassili ins sibirische Straflager und steht dort gegen Ungerechtigkeit und Verleumdung auf. Die Oper im Stil des Verismo vermittelt eindringlich diesen Kampf, russisches Lokalkolorit inklusive. Das Opernangebot wird mit der Rossini-Oper „Die Italienerin in Algier“ und „Armida“ von Joseph Haydn komplettiert.

Im Schauspielbereich bringt man „Der Sturm“ von William Shakespeare in einer neuen Übersetzung von Jakob Nolte. Jan Bosse inszeniert. Und als Gastspiel des Burgtheaters Wien wird Jean-Paul Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ mit Dörte Lyssewski, Regina Fritsch, Tobias Moretti und Christoph Luser in der Inszenierung von Martin Kušej gezeigt.

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