Fünf Geheimtipps unter den jungen Opernsängerinnen

Die BÜHNE beleuchtet fünf junge Talentente der Opernwelt, die in Wien engagiert sind. Man geht kein Risiko ein, wenn man diesen fünf Künstlerinnen eine große Karriere voraussagt.

Valentina Petraeva

Valentina Petraeva fiel in der ersten Vorstellung des neuen Jungen Ensembles des Theaters an der Wien, in „Bajazet“, sofort auf. Ihr heller Sopran verlieh der Figur der Irene in Vivaldis Oper ebenso Konturen wie ihre gute Bühnenpräsenz. Die russische Sängerin, die an der Theater-Akademie in Moskau studierte, war bisher unter anderem als Dido in Purcells „Dido and Aeneas“, Mimi in Puccinis „La Bohème“ (was sich auch als Kostprobe auf youtube findet), Marfa in Rimsky-Korsakows „Die Zarenbraut“ und in der Titelpartie von Tschaikowskys „Iolanta“ zu hören.

Im Theater an der Wien waren mit ihr in dieser Saison „Der Fall Straus“, Eudora in Donizettis „Belisario“ und Medea in „Giasone“ geplant, die ersatzlos abgesagt beziehungsweise verschoben wurden. An der Kammeroper wird sie, sofern die Produktion möglich ist, in „Don Giovanni in progress“ mitwirken.

Im Oktober debütierte Slávka Zámečníková an der Wiener Staatsoper.

Slávka Zámečníková

Neckisch im Spiel, mühelos und glänzend im Gesang – so fiel Slávka Zámečníková bereits bei ihrem Debüt an der Wiener Staatsoper im Oktober auf. Als Norina in „Don Pasquale“ stellte sie sich erstmals dem heimischen Publikum vor und beeindruckte auf Anhieb. Ihr gewinnendes Wesen, ihr beherztes, fast übermütiges Spiel, ihre klaren, hellen Töne und ihre sicheren Höhen machten sie zur Idealbesetzung für die gewiefte Norina, die den eitlen, heiratswilligen Gockel Pasquale um den Finger wickelt und dann gekonnt von seinem hohen Ross holt.

So keck sie im „Qual guardo il cavaliere“ wirkte und zur idealen Komplizin für Malatesta wurde, stellte sie später auch Wandelbarkeit in Spiel und Stimme unter Beweis. Was Wunder, dass die slowakische Sopranistin fix ans Ensemble der Wiener Staatsoper geholt wurde. Bereits zuvor hatte sie sich beim Belvedere-Wettbewerb und beim Neue Stimmen-Bewerb als große Hoffnungsträgerin der Branche gezeigt.

Auch an der Berliner Staatsoper, wo sie dem Opernstudio angehörte und unter Simon Rattle sang, in Wiesbaden, am Nationaltheater Prag und am Nationaltheater Bratislava war sie schon zu hören. In Meisterklassen bei Brigitte Fassbaender, Deborah Polaski, Neil Shicoff, Thomas Quasthoff und anderen konnte sie ihr Können ausbauen. An der Staatsoper hat man Großes mit ihr vor. Im Mai wird sie Poppea in „L´incoronazione di Poppea“ singen, zuvor ist sie in „Carmen“ als Frasquita besetzt.

Miriam Kutrowatz übernimmt in "Bajazet" die Rolle der Idaspe. Foto: Moritz Schell

Miriam Kutrowatz

Wie man eine ganze Vorstellung lang fast durchgehend auf der Bühne stehen kann und trotzdem die gesamte Dauer über eine unglaubliche Präsenz beweist. Das zeigte Miriam Kutrowatz in „Bajazet“ in der Kammeroper in der Inszenierung von Krystian Lada. Neben der Verkörperung von Idaspe, eigentlich eine Countertenor-Partie, hatte ihr der Regisseur auch die Aufgabe zugedacht, wichtige Requisiten zu platzieren. Das tat sie mit einer solchen Ästhetik und Präzision, dass allein das für Gänsehauteffekte sorgte. Ihre Tanzausbildung kam ihr hier natürlich zugute.

Darüber hinaus bewies sie in mit großer Leichtigkeit vorgetragenen Arien, dass sie eine kristallklare, starke Sopranstimme hat, die durchaus auch gehaltvoller sein kann als jene von mancher Fachkollegin. Kutrowatz eine große Karriere zu prophezeien, ist kein großes Risiko für einen Kritiker.

Seit dieser Saison ist sie im Jungen Ensemble des Theaters an der Wien. Zuvor mache sie unter anderem beim Innsbrucker Cesti-Wettbewerb 2019 auf sich aufmerksam, wo sie drei Sonderpreise, darunter den Publikumspreis, gewann. Sie war bereits im Schönbrunner Schlosstheater als Gretel, beim Festivalsommer „JOpera“ im Burgenland zu hören. Kudrowatz stand auch auf der Burg Perchtoldsdorf sowie im Theater Odeon und im Konzerthaus auf der Bühne. Bei der Styriarte war sie als Zerlina in „Don Giovanni“ besetzt. Am Theater an der Wien ist sie in dieser Saison als Berta in „Il Barbiere di Siviglia“ sowie in „Don Giovanni in progress“ vorgesehen.

Von der Kritik wird Johanna Wallroth als „funkelnder schwedischer Sopran“ bezeichnet.

Johanna Wallroth

Ein Mitglied des neu geschaffenen Opernstudios der Wiener Staatsoper sorgte bereits mehrfach für Aufsehen. Johanna Wallroth war zuletzt Barbarina in „Le Nozze di Figaro“ und Giannetta im „Liebestrank“ neben Pretty Yende und Javier Camarena. In „Don Carlos“ hörte man ihre Stimme aus der Höhe und im „Rosenkavalier“ unter Musikdirektor Philippe Jordan war sie als Modistin dabei. Die Opernwelt war auf sie aufmerksam geworden, als sie den ersten Preis beim Internationalen Mirjam-Helin-Gesangswettbewerb 2019 gewann. Man sieht dieser Sängerin mit dem „funkelnden schwedischen Sopran“, wie sie von der Kritik beschrieben wird, an, dass sie auch eine Ballettausbildung absolviert hat. Während sie diese noch in ihrer Heimat Schweden machte und dort auch im Kinderopernchor von Stockholm sang, kam sie für ihr Gesangsstudium an die Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien.

Ihr Operndebüt gab sie als Barbarina in Stockholm. In Wien war sie schon als Despina, Gretel und Susanna im Schlosstheater Schönbrunn zu sehen. Und als Eurydice überzeugte sie in einer Produktion der Universität für Musik und Darstellende Kunst. Unter Daniel Harding gab sie ihr Rollendebüt als Zerlina in einer halbszenischen Aufführung von „Don Giovanni“ mit dem Swedish Radio Symphony Orchestra. Wenn Corona es nicht verhindert, soll sie im Sommer als Frasquita in „Carmen“ beim Savonlinna Festival zu erleben sein.

Lauren Urquhart war mit 22 Jahren eine der jüngsten Sängerinnen, die je fix ins Ensemble der Volksoper Wien aufgenommen wurden.

Lauren Urquhart

Eine der jüngsten Sängerinnen, die je in das Ensemble der Volksoper Wien aufgenommen wurden, ist die französisch-amerikanische Sopranistin Lauren Urquhart. Sie fiel beispielsweise auf, als sie in der konzertanten Aufführung von „Brigadoon“ den schottischen Akzent besonders unterstrich und viel Präsenz zeigte. Als Liesel in „The Sound of Music“, Taumännchen in „Hänsel und Gretel“ und Papagena in „Die Zauberflöte“ findet sie sich ins Ensemble ein.

Zuvor hatte sie sich am Staatstheater Nürnberg und am Theater Magdeburg in zeitgenössischen englischsprachigen Opern erste Sporen verdient, neben dieser Spezialisierung zählen auch Susanna („Le Nozze di Figaro“), Giannetta („Liebestrank“) und Pamina („Die Zauberflöte“) zu ihrem Repertoire. An der Volksoper wird sie demnächst als Rapunzel in Stephen Sondheims satirischem Märchen-Musical „Into the Woods“ zu sehen sein. Auch Frasquita in „Carmen“ und Adele in „Die Fledermaus“ stehen auf ihren Plänen für die nächste Zukunft am Haus.

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