Endspiel von Samuel Beckett

Samuel Becketts „Endspiel“ gilt als Urwerk des absurden Theaters. Eine apokalyptische Situation, aus der vier Personen nicht mehr entkommen. Das ganze Stück in Kurzfassung liest du hier.

Inhalt

In einem Raum, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint, wohnen vier Personen. Die Zivilisation dürfte zerfallen sein, eine apokalyptische Situation wird angedeutet. Nur zwei Fenster erlauben den Blick nach draußen, doch Protagonist Hamm ist nicht nur lahm, sondern auch blind. Er ist von dem ihm dienenden Clov abhängig, welchen er dennoch schikaniert. Sinnentleerte Rituale und Kränkungen sind es, mit denen sich Hamm die Zeit vertreibt. Doch auch Clov ist ihre gegenseitige Abhängigkeit klar, denn nur Hamm weiß, wie man an Essen gelangt. Wenn er jedoch seine Drohung umsetzt, Clov die Nahrung zu entziehen, würden beide sterben. Auch Hamms Eltern sind hier gefangen, sie sprechen über den körperlichen Verfall und darüber, wie sie ans Essen kommen. Hamm tyrannisiert die anderen, während sie alle halb ängstlich, halb sehnsüchtig – und ohne Hoffnung auf Besserung ihrer Lage – dem drohenden Ende entgegensehen.

Werkgeschichte

Endspiel“ gilt als eines der Urwerke des absurden Theaters. Es hat keine Handlung im eigentlichen Sinn, zumindest entwickeln sich die Figuren im Laufe des Stücks nicht. Beckett hatte kurz zuvor dem Sterben seines Bruders zusehen müssen und die Erfahrungen des Wartens auf etwas Unvermeidliches in „Endspiel“ verarbeitet. Vermutlich hatten aber auch der Korea-Krieg und der immer brisanter werdende Kalte Krieg Einfluss auf die Entstehung. Beckett verfasste das Werk auf Französisch, um sich zu zwingen, sich jedes einzelne Wort abzuringen. Auch daher rührt die besondere Sprachintensität von „Endspiel“. Der Titel bezieht sich übrigens auf jene Phase beim Schach, in der nur noch wenige Figuren am Brett stehen und gute Spieler bereits erkennen, wie die Partie ausgeht.

Szenenfoto „Endspiel“ im Volkstheater Wien
Uwe Schmieder und Frank Genser in den Hauptrollen von „Endspiel“ im Volkstheater Wien. Foto: Nikolaus Ostermann / Volkstheater

Aufführungsgeschichte

Beckett finalisierte das Stück 1956 und nahm in Paris erste Proben auf. Die ursprünglich geplante Uraufführung im Théâtre de `Oeuvre wurde jedoch abgesagt. Tatsächlich wurde das Stück dann erstmalig am Royal Court Theatre in London aufgeführt, dies war am 3. April 1957. Die deutsche Premiere fand im selben Jahr im Schlossparktheater in Berlin statt, unter anderem mit Bernhard Minetti, die Produktion wurde jedoch nach acht Vorstellungen abgesetzt. Eine eigene deutschsprachige Inszenierung Becketts 10 Jahre später am Schillertheater wurde von der Kritik und vom Publikum gut aufgenommen. 1957 wurde „Fin de partie“ auch in französischer Sprache am Royal Court uraufgeführt.

Berühmte Namen

Samuel Beckett stammt aus Dublin, wo er am 13. April 1906 geboren wurde. Schon früh zog er nach Paris. 1969 erhielt er den Literaturnobelpreis. Er schrieb Romane, Dramen, Essays und Gedichte. Unter seinen Theaterstücken sind auch „Warten auf Godot“ und „Das letzte Band“. Beckett starb am 22. Dezember 1989 in Paris.

Der Komponist Philip Glass ließ sich 1984 von „Endspiel“ zu einer Ouvertüre für Kontrabass und Pauken inspirieren. Auch eine Opernfassung gibt es: György Kurtág vertonte das Stück. Er schrieb selbst das Libretto in französischer Sprache, die Uraufführung fand 2018 an der Scala in Mailand statt.

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