Plácido Domingo feiert 80. Geburtstag als Nabucco

Plácido Domingo feiert seinen runden Geburtstag standesgemäß auf der Bühne der Wiener Staatsoper. Wo sonst? Eine Huldigung auf einen der größten Opernsänger der Welt.

von Atha Athanasiadis, 21. Januar 2021

Plácido Domingo feiert 80. Geburtstag als Nabucco
Placido Domingo als Nabucco an der Wiener Staatsoper. Am Freitag, den 22. Jänner wird die Oper live auf ORF III übertragen. (c) Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Es hätte eine Krönungsmesse werden sollen: Plácido Domingo und sein Auftritt in der Wiener Staatsoper zu seinem 80. Geburtstag. Und es wäre, wie immer gewesen. Dutzende Fans wären nach seinem Auftritt an den Bühnenrand gelaufen, hätten Blumen über die Köpfe der Philharmoniker hinweg geworfen. Jetzt wird Stille herrschen, wenn ER am Freitag Abend auf die Bühne treten wird.

Nur rund 20 Kritikerinnen und Kritiker werden der Vorstellung von Nabucco beiwohnen dürfen – die Nation dafür live via Player der Wiener Staatsoper. Neben Domingo singen unter anderem auch Freddie De Tommaso (zuletzt im Haus am Ring als Pinkerton in Madama Butterfly), Anna Pirozzi (Abigaille) und Riccardo Zanellato (Zaccaria).

Der entspannte Superstar

Wer Domingo je live gesehen hat – egal ob auf der Bühne, oder beim Spaziergehen in Wien oder beim Abendessen im Restaurant Sole in der Annagasse im ersten Bezirk in Wien (ja, all das macht er regelmäßig) ist von dessen Weltstar-Aura und vor allem auch von seiner ausgesuchten Höflichkeit – er grüßt jeden Wildfremden, der ihn ob seiner Prominenz anstarrt – beeindruckt.

134 Gesangsrollen

Ein paar Zahlen zu Domingos Karriere: Über 4.000 Opernauftritte. Das legendäre Konzert aus den römischen Caracalla-Thermen anlässlich der Fußball-WM 1990 gemeinsam mit Luciano Pavarotti und  Josef Carreras, dass weltweit eine Milliarde Menschen live im Fernsehen verfolgten. Über 21 Millionen verkaufter Tonträger. 134 verschiedene Gesangsrollen.

Plácido Domingo wurde am 21. Januar 1941 in Madrid geboren. Ersten Gesangsunterricht erhielt er von seinen Eltern, bekannten Zarzuela-Sängern (eine spanische Gattung des Musiktheaters, ähnlich der Operette). Im Alter von acht Jahren zog er mit seiner Familie nach Mexiko City, wo er Unterricht am Konservatorium nahm. Am Klavier galt Domingo bereits früh als Wunderkind und war als Korrepetitor tätig.

Plácido Domingo, der Vielarbeiter

Im Jahr 1968 sprang Plácido Domingo für den erkrankten Franco Corelli an der New Yorker Metropolitan Opera (MET) ein – es wurde der Beginn einer langen Zusammenarbeit. Mit Ausnahme von Enrico Caruso sang niemand so oft Premieren an der MET wie Domingo. 1993 feierte er dort mit Luciano Pavarotti das gemeinsame 25-jährige Bühnenjubiläum. Plácido Domingos Karriere als Dirigent begann ebenfalls in New York. Als künstlerischer Berater war Domingo zudem an der Los Angeles Music Center Opera tätig. Domingo war lange Zeit musikalischer Leiter der Washingtoner Oper und ist in gleicher Position an der Oper in Los Angeles aktiv. Nach dem Wechsel ins Bariton-Fach tritt er weiterhin weltweit auf.

Ein kleiner Rückblick auf Domingos Rollen in der Wiener Staatsoper

Plácido Domingo gilt als einer der vielseitigsten Tenöre. Im Mittelpunkt seines Repertoires steht das italienische und französische Fach mit Opern von Verdi, Puccini, Bizet, Massenet und Co. Eine seiner Paraderollen war der Otello – verfilmt im Übrigen von Franco Zeffirelli. Domingo hat sich auch als Wagner-Sänger profiliert – vor allem als Lohengrin, Siegmund und als Parsifal.

Bis in die jüngste Zeit erarbeitete sich Domingo noch neue Rollen – etwa 2005 Franco Alfanos Cyrano de Bergerac an der Met und den Tristan für eine CD-Einspielung. 2006 sang er dann an der Met die Uraufführung der Oper von Tan Dun ,The First Emperor‘.

Domingo und seine große Familie.

Privat lebt Plácido Domingo seit 50 Jahren glücklich verheiratet mit der mexikanischen Sopranistin und Opernregisseurin Marta Ornelas. Sie ist, erzählt Domingo gern, seine strengste Kritikerin. Mit spanisch stolz geschwellter Brust verweist der Star natürlich auch auf seine drei Söhne und neun Enkel. Sein Zweitgeborener Plácido Francisco jr. (47) ist bekannter Jazz- und Popkomponist, das Nesthäkchen Alvaro Maurizio (44) managet den Papa. Aus erster Ehe stammt der älteste Sohn José Plácido Domingo Guerra (55).

Über 100 Opern hat der Star auf CD verewigt, über 50 Musikvideos und drei Opernfilme gedreht. Etliche Ehrungen und Auszeichnungen dokumentieren den Erfolg. Dazu gehören allein zwölf Grammys und zehn Doktortitel ehrenhalber. Königin Elisabeth II. überreichte dem Weltstar 2002 sogar den Ehren-Ritterschlag.

Happy Birthday!

Und hier die Oper live sehen

Weiterlesen: Kultur mit Abstand, die berührt: Die Wiener Staatsoper im Stream