Nina Blum, wie wollen Sie Kindern Opern schmackhaft machen?

Interviews fehlt oft der Raum für vertiefende Gedanken. An dieser Stelle gilt daher: eine Frage – und eine ausführliche Antwort. Diesmal berichtet Nina Blum über Opern für Kinder.

von Redaktion, 4. November 2020

Nina Blum, wie wollen Sie Kindern Opern schmackhaft machen?
Nina Blum erfand den Märchensommer im Schloss Poysbrunn in Niederösterreich und ist Intendantin der Sommernachtskomödie Rosenburg. Foto: Philipp Schönauer

Wandern als Stilmittel

Ich wollte unbedingt „Die Entführung aus dem Serail“ als ­erste­ Wander-Kinderoper in der Wiener Staatsoper machen, weil ich die ­Musik von Mozart so liebe. Das Wandern ist ein wichtiges Stilmittel, weil man nicht nur eine Oper erleben wird, sondern auch dieses wunderbare Haus sehen kann und Plätze, die man nicht kennt.

Das funktioniert als Format schon beim Theater ganz wunderbar, aber bei der Oper wird es noch viel wichtiger – denn Oper ist ein sperrigeres Format, weil Libretti oftmals nicht sehr aufregend sind. Es gibt wenig Spannungsbögen. Der Grund dafür ist, dass logischerweise bei Opernwerken die Musik im Vordergrund steht, bei Kindern sind es aber die Geschichten.

Geschichten erzählen, die für Kinder funktionieren

Wenn ich etwa meiner kleinen Tochter die Grundstory der „Entführung aus dem Serail“ erzähle, dann fragt sie: Wie ist das genau, und warum lieben die sich, und welches Abenteuer bestehen sie? Daher habe ich gesagt, wir müssen ein völlig neues Libretto schreiben. Nämlich eines, das eine Geschichte erzählt, die für Kinder funktioniert, und dazu kommt dann die wunderbare Musik von Mozart.

Eigentlich haben wir fast alle Figuren, von Belmonte über Pedrillo bis hin zu Konstanze, gelassen. Nur den Bassa Selim haben wir eliminiert. Wir haben eine neue Figur: Bossmin. Sie ist so entstanden: Osmin hat Bassa bekämpft, gewonnen und nennt sich seither Bossmin. 

Entführung aus dem Serail mit Magie

Das Stück beginnt als normale Opernhausführung. Ich habe aus dem Ensem­ble des Märchensommers einen Schauspieler mitgenommen: Er erzählt den ­Kindern, dass es in der Oper eine Sage gibt, der zufolge es alle hundert Jahre eine ver­zauberte Stunde gibt, und wenn man in dieser Stunde ein geheimes, gut verstecktes, magisches Portal findet, dann können durch dieses alle Opern­figuren den Weg in die Freiheit finden.

Während der Guide erzählt, kommt aus einer Statue, die wir auf der Feststiege bauen werden, der Belmonte raus­gepurzelt und sagt ganz aufgeregt, dass er seine Freunde sucht und dass der Führer ihm dabei helfen muss. So geleiten wir die Kinder in den Mahler-Saal, den wir zum Serail umgebaut haben. Dort tauchen dann auch alle anderen Figuren der Oper auf, die hier gefangen gehalten werden.

Mit vielen Tricks gelingt ihnen die Flucht, und dann beginnt eine Schnitzeljagd durch die Oper, bei der die Kinder in drei Gruppen aufgeteilt werden. Es wird eine Schatzkarte geben und viele lustige Dialoge und natürlich viel Musik. Alle wichtigen Arien werden gespielt. Ein kleines Orchester aus acht Musikern und einem Dirigenten wird vom ­ersten Auftritt Belmontes bis zum Schluss für einen permanenten Klangteppich sorgen, damit der Operncharakter erhalten bleibt. Mein persönliches Ziel ist es, Kindern Lust auf Oper zu machen. Am Ende sollen sie beim Raus­gehen ­sagen: „Boah, das war aber spannend.“

Zur Person: Nina Blum

Alter: 47
Beruf: Regisseurin, Schauspielerin
Die Wienerin erfand den Märchensommer im Schloss Poysbrunn (NÖ) und ist ­Intendantin der Sommernachtskomödie Rosenburg. Die „Entführung aus dem ­Serail“ wird erst 2021 gespielt werden.
Nina Blum

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