Wie nah geht‘s?

Sarah Wetzlmayr, 03.11.2026

„Anthropologie“ beschäftigt sich mit rein analogen Mitteln mit KI-Systemen und der Illusion von Nähe. In den Proben seien sie einander schnell sehr nahe gewesen, erzählen die Schauspielerinnen Anna Rieser und Nancy Mensah-Offei.

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Merril, Programmiererin und KI-Expertin, glaubt nicht nur an Muster und Systeme, sondern auch daran, dass sie ihrer verschwundenen und vermeintlich verstorbenen Schwester Angie mittels eines von ihr gebauten Chatbots wieder ganz nahe sein kann. Allerdings nur dann, wenn sie das System so programmiert, dass das Verhalten des Bots dem ihrer Schwester möglichst nahekommt. Wobei sie den Wunsch nach Authentizität im Laufe des Stücks immer wieder leicht modifiziert, denn die chaotische, direkte und teilweise schnippische Angie konnte auch eine ziemlich anstrengende Zeitgenossin sein. „Anthropologie“ ist ein Theaterstück, das vom Umgang mit Verlust und Trauer handelt. Aber auch davon, was es bedeutet, sich in der Illusion von Nähe zu verlieren. Wobei Letzteres nicht nur die Beziehung der beiden Schwestern betrifft, sondern auch jene zu ihrer Mutter und Merrils Ex-Freundin Raquel. Kurz: Die interfamiliäre Nahversorgung mit Liebe und Anerkennung funktioniert nicht richtig, sie ist rissig und instabil. Die Figuren versuchen einander nahezukommen, es gelingt ihnen jedoch nicht wirklich.

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