Claus Nicolai Six, Regisseur. Er war als Arbeiterkind mit 20 zum ersten Mal im Theater, studierte Altphilologie und assistierte unter anderem am Schauspiel Frankfurt und am Schauspiel Köln. 2024 inszenierte er in Köln „Muttertier“ von Leo Lorena Wyss. An der BURG bringt er „LECKEN 3000“ von lynn t musiol zur Uraufführung – den Gewinnertext des Retzhofer Dramapreises 2025.

Warum macht man 2026 noch Theater, Claus Nicolai Six?

Sarah Wetzlmayr, 16.12.2025

Der Regisseur Claus Nicolai Six schreibt in seinem Monolog über das Theater als Ort, an dem Macht und Begehren aufeinandertreffen.

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Burgtheater. Theater am Ring. Marmor meets Molton. Sonnabend. Volles Haus. Zwei Jahre war ich Assistent an diesem Haus, mich packt eine Ehrfurcht, wenn ich die Feststiege betrete und auf den Spuren der Theatergeschichte wandle. Auftritt. Erster Stock. Damengang. Ich bin in der Garderobe einer Kollegin. Wir sitzen auf der Fensterbank, unser Blick auf den Rosengarten und die Hofburg, es dämmert. Wir sehen die Wiener Schickeria, hastig vom Ring auf dem Weg ins Theater. Qualmend genießen wir eine Zigarette und diskutieren. Diese Zigarette hat etwas Heiliges, heilig und verboten zugleich. ,Die Vorstellung beginnt in 30 Minuten‘, tönt es durch die Lautsprecheransage. Wir spitzen unsere Lippen an den Zigarettenfiltern und blasen unseren Nikotin-geschwängerten Atem in Richtung Fiaker unten auf der Straße.

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