Julya Rabinowich ist eine österreichische Schriftstellerin, Dramatikerin, Kolumnistin, Malerin, Übersetzerin.

Nostalgia und Ostpanik

Julya Rabinowich, 16.03.2026

Diktatur unterdrückt alle, aber die Frauen auf eine doppelte Weise. Sie müssen von den unterdrückten Männern unterdrückt werden können. Das hält Systeme stabiler.

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Meine Freundschaft mit Sofi begann mit der sehr speziellen Färbung des Himmels über dem Meer. Der finnische Meerbusen trug die Farben meiner Kindheit, es roch beinahe nach ihr, fast war ich wieder dort, auf der anderen Seite der Wasserfläche. Die andere Seite gehörte zu Russland. Es fuhren in kurzen Abständen Schiffe rüber, Schiffe, auf deren Passagiersitzen ich nie Platz nehmen würde. Nie an Bord gehen. Nie auf der Aussichtsplattform stehen – mit Meerwind im Haar, den Geruch von Salz in der Nase. Für mich galt: Kein Schiff wird kommen, das mich durch die Wellen und unter den Brücken von St. Petersburg hindurchführen würde, Brücken, an die ich mich noch erinnern konnte, weil mich das Bild der hochgefahrenen Brückenteile, die wie Dinosaurierhälse gegen den rosafarbenen Weiße-Nacht-Himmel stießen, schon als Fünfjährige so unglaublich beeindruckt hatten.

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