Jörg Schneider (Hauptmann, l.) und Johannes Martin Kränzle (Wozzeck).

Mörderisches Mobbing

Klaus Peter Vollmann, 07.04.2026

Vom Outlaw zum Mörder. Alban Bergs „Wozzeck“ ist eine Blaupause des modernen Antihelden. Johannes Martin Kränzle verleiht dem diffizilen Charakter ausdrucksstarke Tiefenschärfe. Ein Talk über künstlerische Mehrfachbegabung, nachwuchsfördernden Aktivismus und karitative Herzensanliegen.

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Katastrophe, Unglück, Schicksalsschlag. Solche und ähnliche Definitionen kennzeichnen den Begriff Tragödie. Ein Trauerspiel in Reinkultur ist auch Alban Bergs Oper „Wozzeck“. Doch ist hier kein strahlender Heros höheren Mächten schutzlos ausgeliefert, sondern kämpft ein einfacher Soldat vergeblich gegen soziale Windmühlen, die seine inneren Dämonen mit Energie versorgen. Um seine Freundin Marie und den gemeinsamen Sohn finanziell unterstützen zu können, geht Wozzeck mehreren Nebenverdiensten nach. So rasiert er regelmäßig den Hauptmann oder stellt sich dem Doktor für fragwürdige medizinische Experimente zur Verfügung. Hohn, Sadismus und Mobbing sind seine engsten Vertrauten. Zudem wird Wozzeck von Wahnvorstellungen gepeinigt und erfährt, dass die ebenfalls von einem besseren Leben träumende Marie eine Beziehung mit dem attraktiven Tambourmajor eingegangen ist.

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