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Als „vollkommene, vollendete Prosa“ bezeichnete der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki in einer Rede Joseph Roths Novelle „Die Legende vom heiligen Trinker“, in der dieser auch seine eigene Alkoholabhängigkeit einer genauen Selbstbeobachtung unterzog – exemplarisch und stellvertretend für viele, die diesen Weg gehen. Andreas lebt als Clochard unter einer Pariser Brücke und trifft einen ihm fremden Mann, der ihm Geld leiht, das er vertrinkt. Er zieht durch die Straßen, bereit, das Leben zu feiern, das auch gut zu ihm scheint. Immer wieder beschert es ihm „Wunder“ – in Form von finanziellen Zuwendungen oder menschlichen Begegnungen –, langsam beginnt ihn aber auch die Vergangenheit einzuholen. Joseph Roth erzählt mit zartem Ton, voller leiser Würde und feiner Ironie und öffnet so einen Raum, in dem Schmerz, Hoffnung und Humor still nebeneinander existieren dürfen. Regisseurin Alexandra Liedtke dramatisierte dieses literarische Vermächtnis Joseph Roths, das erst kurz nach seinem Tod veröffentlicht wurde, und bringt es in Reichenau auf die Bühne.
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