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Der milde Kaiser, der Liebende belohnt, Verschwörern verzeiht und selbst für das seiner Person geltende Mordkomplott keine Rache nimmt: Wolfgang Amadeus Mozart komponierte seine Lobpreisung des gütigen Herrschers anlässlich der Krönung Kaiser Leopold II. zum König von Böhmen – das Libretto stammt von Pietro Metastasio und wurde insgesamt etwa 50 Mal vertont. Doch nur Mozarts Version „La clemenza di Tito“ konnte sich auf lange Sicht durchsetzen. So ganz trauen will Regisseur Maurice Lenhard der übermenschlichen Nachsicht des römischen Caesars aber nicht. In seiner Version, die das von ihm geleitete Opernstudio der Volksoper heuer als große Jahresproduktion im MuTh am Augarten herausbringt, ist die finale Vergebung weniger ein Akt der Großherzigkeit als vielmehr ein Kontrollinstrument, eine Staatslüge, die Loyalität erzeugt, Widerstand neutralisiert und Stabilität suggeriert, während es dem berechnenden Tito eigentlich um Machtsicherung geht. So kann sogar Vergebung zur Waffe werden.
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