Zur Person: Christoph Wagner-Trenkwitz ist Dramaturg, Musikwissenschafter, Buchautor und legendärer Opernball-Kommentator. Er war Intendant in Haag und ist seit 2009 Chefdramaturg an der Volksoper in Wien. Für die Bühne schreibt er monatlich eine Kolumne.

Christoph Wagner-Trenkwitz: Wien lernt Deutsch

Redaktion, 12.06.2022

Christoph Wagner-Trenkwitz sinniert über Kreaturen und Persönchen.

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Die drei gewichtigsten Schimpfworte, die Alt-Wien zur Verfügung hatte, waren laut dem klugen Sprachprofessor Oswald Panagl „Subjekt“, „Individuum“ und „Kreatur“. Sie dienten dem zornigen braven Christen als das, was ihm im Andachtsmodus „Glaube, Liebe, Hoffnung“ bedeuteten. Sie entfalten geradezu verheerende Wirkung, begleitet von abschätzigen Adjektiven („verkommenes Subjekt“, „infame Kreatur“), aber auch ohne: „Sie Individuum!“ Wenn man am Charakter des anderen zweifelte, raunte man: „Der ist mir net suspekt.“ Die schmucklose Bezeichnung als „ein Charakter“ hingegen schließt gütiges Verzeihen für allfällige Absonderlichkeiten ein.

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