Ein Stück in einer Minute: Tosca von Giacomo Puccini

Mord und Leidenschaft herrschen in dieser Oper vor wie selten in einem Musiktheaterwerk. Was bei der Uraufführung nicht ausschließlich für Jubel sorgte, wurde später zum Erfolgsgaranten.

Inhalt

Ein Dreieck aus Liebe, Begehren bestimmt eine der weltweit meist gespielten Opern: Der Maler Mario Cavaradossi liebt die Primadonna Floria Tosca, aber auch der skrupellose Polizeichef Scarpia begehrt sie. Als Cavaradossi den von Scarpia gesuchten, geflohenen politischen Gefangenen Angelotti in seinem Garten versteckt, lässt ihn Scarpia foltern. Tosca hält es nicht aus, ihren Geliebten vor Schmerz schreien zu hören. Sie verrät, wo Angelotti sich befindet. Scarpia will Tosca zur Liebe nötigen. Er sagt, er wolle Cavaradossi verschonen, wenn sie ihn erhört. Doch Tosca ersticht ihn mit dem Ausruf „Das ist Toscas Kuss“. Die von Scarpia versprochene Scheinhinrichtung Cavaradossis ist nur Betrug. Als Tosca merkt, dass ihr Geliebter tot ist und sie Scarpias Männer kommen hört, stürzt sie sich von der Engelsburg.

Werkgeschichte

Giacomo Puccinis Oper basiert auf Victorien Sardous Drama „La Tosca“, das zur damaligen Zeit als großer Erfolg mit Sarah Bernhardt quer durch Europa tourte. Über mehrere Jahre dachte Puccini über die Vertonung nach. Das Interesse wurde möglicherweise verstärkt, als er hörte, dass Verdi den Stoff für gut befand. Das Libretto hat mehrere Väter. Luigi Illica war ursprünglich vorgesehen. Giuseppe Giacosa wurde hinzugezogen. Und auch Sardou selbst hat maßgeblich mitgewirkt – wobei seinem Wunsch, Tosca von der Engelsburg direkt in den Tiber springen zu lassen, was sich aufgrund der Lage nicht ausgehen kann, nicht entsprochen wurde. Dass es Puccini um Detailgenauigkeit ging, sieht man auch daran, dass er nach Rom gereist sein soll, um die originalen Glockenklänge zu studieren.

Aufführungsgeschichte

Die Uraufführung im Teatro Constanzi in Rom am 14. Januar 1900 war ein mäßiger Erfolg, auch weil dem Werk Effekthascherei und ein Übermaß an Folter und Mord vorgeworfen wurde. Die Erstaufführung in Mailand unter Arturo Toscanini im März desselben Jahres wurde aber ein Triumph. An der Wiener Staatsoper sieht man seit 1958 die Inszenierung von Margarete Wallmann, in der vor allem das Defilee während des „Te deum“ fasziniert.

Prominente Interpretinnen

Tosca gilt als die Primadonnenoper schlechthin. Meist ist daher das Interesse an der Darstellerin der Titelrolle besonders groß. Wobei auch Cavaradossi und Scarpia durchaus interessante Partien sind und berühmte Arien ( „E lucevan le stelle“ beziehungsweise „Te deum“) zu singen haben. Die Sarah Bernhardt nachempfundene Titelrolle wurde über die Jahre von Maria Jeritza, die die Arie „Vissi d´arte“ liegend sang, Renata Tebaldi, Leontyne Price, Birgit Nilsson, Montserrat Caballé, Mirella Freni, Kiri Te Kanawa, Maria Callas, Anna Netrebko und vielen mehr interpretiert.

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