Alexander Absenger über das Textlernen

Alexander Absenger spielt den Lewin in der aktuellen Inszenierung von „Anna Karenina“ im Theater in der Josefstadt. Uns hat er erzählt, wie er dafür seinen Text gelernt hat.

BÜHNE: Wann beginnst du deinen Text zu lernen?

Alexander Absenger: Es ist ja Teil des Handwerks, dass man sich die Texte relativ zügig reinhaut (lacht). Bei „Anna Karenina“ habe ich früher begonnen, da das schon eine große Textmenge ist. Ich fühle mich dadurch beim Probieren freier. Es sind zudem auch ein Text, mit dem man nicht so gut improvisieren kann. Mit zeitgenössischeren Texten geht das besser.

Apropos Handwerk: Hast du Techniken, um dir Texte besser zu merken?

Alexander Absenger: Ich muss zunächst einmal wissen, worum es geht. Daher lese ich die Stücke auch wahnsinnig gerne einige Male durch. So nähere ich mich der Rolle an. Reines Auswendiglernen funktioniert bei mir überhaupt nicht.

Du spielst meist in vielen Stücken gleichzeitig. Ganz ehrlich: Macht das Aneignen dieser Textmengen immer Spaß?

Alexander Absenger: Ich bin schon manchmal etwas „textfaul“. Für mich ist es nicht immer die erfüllendste Arbeit. Da ist das Spielen und Texte ausprobieren mit den Kolleginnen und Kollegen viel schöner, als allein zu Hause zu sitzen und stumpf auswendig zu lernen.

Alexander Absenger
Der Schauspieler Alexander Absenger muss immer erst wissen, worum es geht, bevor er anfängt seinen Text zu lernen. Meist allerdings morgens. Foto: Moritz Schell

Hast du einen Biorhythmus, wann du Texte besonders gut abspeichern kannst?

Alexander Absenger: Manchmal muss man einfach, da ist der Biorhythmus dann egal. Aber am liebsten in der Früh, beim Kaffee, da geht bei mir am meisten rein. Am Nachmittag ist bei mir eher schwierig. Und auch vor der Probe ist es natürlich sehr sinnvoll, dass man sich das noch zwei Mal durchliest.

Fallen dir klassische oder moderne Texte einfacher?

Alexander Absenger: (überlegt) Kommt darauf an. Jetzt bei Tolstoi: Es ist eine sehr gute Übersetzung, mit der wir arbeiten. Sprachlich fordernd und daher manchmal gar nicht so einfach, das alles in den Kopf zu kriegen. Aber das ist auch die Herausforderung. Das macht auch unglaublich viel Freude, wenn man es dann hat. Ich würde also gar nicht so unterteilen für mich – ob klassisch oder zeitgenössisch. Wobei, Kleist-Texte, wo Sätze über mehrere Zeilen gehen: Das liebe ich. Ich finde, das wird auch viel zu selten gemacht.

Bekommt dann der Text eine eigene Melodie für dich, durch die der Text sozusagen in Leib und Seele geht?

Ja, da entsteht innerhalb der Sätze ein Rhythmus und eine Melodie. Für mich geht das mit dem Körper zusammen und dann lernt man alles auch einfacher.

Wenn der Text dann im Kopf ist: Mit welchen Ritualen schlüpfst du in die Rolle?

Ich habe Triggermomente. Bei „Der Kirschgarten“ war die Maske für mich schon ein Teil der Verwandlung. Bei „Der Weg ins Freie“ hatten wir Männer diese Fräcke und Korsagen, da macht schon die Schnürung etwas mit einem. Und bei Anna Karenina fahren wir ja Schlittschuh. Wenn ich die anziehe, dann weiß ich schon, „wo ich bin“.

Zur Person: Alexander Absenger

Er wuchs in Graz auf und studierte von 2005 bis 2009 Schauspiel am Konservatorium der Stadt Wien. Er spielte währenddessen als Gast u.a. am Theater Drachengasse, am Off – Theater sowie am Theater der Jugend. Nach Abschluss seines Studiums wurde er als festes Ensemblemitglied ans Schauspielhaus Magdeburg engagiert. Neben seiner Theatertätigkeit steht Alexander Absenger regelmäßig für Film und Fernsehen vor der Kamera. Außerdem arbeitet er auch als Sprecher.

Zu den Spielterminen von „Anna Karenina“ im Theater in der Josefstadt!

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