Das plant das Wiener Volkstheater in der kommenden Saison

Lange musste das Wiener Publikum warten: Aber nun gibt es das Wiener Volkstheater wieder von innen zu erleben - inklusive generalsaniertem Haus und neuem Direktor Kay Voges. Im Herbst wartet ein vielversprechender Premieren-Reigen.

von Julia Schilly, 9. Juni 2021

Das plant das Wiener Volkstheater in der kommenden Saison
Endlich wieder Volkstheater: Das Theater im siebten Wiener Gemeindebezirk präsentiert ab Herbst ein vielseitiges Programm. Foto: ©www.lupispuma.com

„Die Neugierde und Sehnsucht der Stadt nach Theater ist noch da“, konstatiert Kay Voges bei der Präsentation der nächsten Spielzeit in der Roten Bar des Wiener Volkstheaters. 30 Produktionen sind bis Juni kommenden Jahres geplant. Darunter 12 Wiener Uraufführungen und elf Premieren. Alle sieben bis zehn Tage werde ab Herbst eine Premiere stattfinden. Denn es gibt einiges nachzuholen nach der Generalsanierung und der Verlängerung der Spielpause durch Covid-19.

Zwar fand die Produktion „Black Box“ – eine Audio-Tour in der die Besucher:innen allein durch das Theater wandern – statt und erfreute sich großer Beliebtheit (sie wird im Herbst verlängert). Doch ansonsten konnte bis zum House Warming-Startschuss mit Thomas Bernhards „Der Theatermacher“ am 26. Mai nicht viel vor Publikum passieren. „Als Theatermacher will man auch Theater machen“, sagte Voges.

Der kaufmännische Direktor Cay Stefan Urbanek (links) und der künstlerische Direktor Kay Voges präsentierten die neue Spielzeit in der Roten Bar des Wiener Volkstheaters. Foto: Nikolaus Ostermann

Trip in die Sprachkunst

Der Volkstheater-Direktor versteht Theater als Gegenwartskunst. Das spiegelt sich auch im Programm für die kommende Saisons wider. Los geht es am dritten September mit Wolfram Lotzs „Die Politiker“. Das Stück wurde 2019 am Deutschen Theater Berlin uraufgeführt und bereits damals von Kritiker:innen und Publikum gefeiert. „Wolfram Lotz gilt weithin als bester Dramatiker der Theater-Gegenwart“, schrieb etwa die Süddeutsche Zeitung.  Laut Voges, der auch Regie führen wird, handelt es sich um einen „Gegenwartstext, der auch in zehn Jahren noch übrig bleiben wird“. 13 Ensemblemitglieder werden auf der Bühne des Volkstheaters stehen und sich auf einen „Trip in die Sprachkunst von Wolfram Lotz begeben“, so Voges.

Virtual Reality

Mit der deutschen Regiekünstlerin Susanne Kennedy bleibt das Volkstheater weiter am Puls der Zeit und begibt sich in den Themenkomplex künstliche Intelligenz. In ihren Arbeiten inszeniert sie den hypermodern-digitalen Menschen. Mit Kennedy wird eine längerfristige Zusammenarbeit angestrebt. Zum einen wird „Drei Schwestern“ in Wien Premiere feiern, doch auch das Projekt „I AM (VR)“ wird zu sehen sein.

Feministische Performancekunst

Neben Virtual Reality werden auch Tanz und Musik einen Schwerpunkt bekommen. Der isländische Performancekünstler Ragnar Kjartansson präsentiert zwei Arbeiten im Volkstheater. Hausautorin Lydia Haider wird im Oktober mit ihrem Stück „Zertretung – 1. Kreuz brechen oder also alle Arschlöcher abschlachten“ Premiere feiern. An diesem Abend werden symbolisch bekannte Männer von André Heller über Andreas Gabalier bis Jesus Christus getötet.

Die Ausnahmechoreographin Florentina Holzinger, die unlängst mit ihrer gemeinsamen Performance mit Soap & Skin bei den Wiener Festwochen wieder einmal für Furore sorgte, wird ihre Arbeit „Ètude for an Emergency“ – Composition for 10 bodies and a car“, vorstellen. Vielversprechend klingt auch die „polyphone“ Lesung von Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“ im gesamten Haus.

Aktuelle Themen

Neben der Großen Bühne im Haupthaus wird im Volx in Margareten, in der „Dunkelkammer“ unter dem Dach, in der Roten Bar, im Weißen Salon und in den Bezirken gespielt. Der künstlerische Produktionsleiter Calle Fuhr zeigt sich für die Programmierung der Bezirke verantwortlich. Es wird zum Beispiel dem Phänomen „True Crime Podcast“ nachgegangen. Und mit „Wien’s Anatomy“ das österreichische Gesundheitssystem auf Herz und Nieren geprüft. Auf diese erste österreichische Arbeit der US-Regisseurin Karen Breece freue sich Calle Fuhr besonders, betonte er bei der Präsentation der neuen Spielzeit.

Es wird mit Regisseur Felix Hafner eine „Fellner Lesung“ und mit „Das Bestiarium“ eine Tierkunde für eine beschädigte Welt von und mit Fahim Amir geben. Kay Voges räumte ein, dass es in den Bezirken einen Wandel geben werde. „Wir verabschieden uns vom Illusionstheater.“ Die kleinen Bezirksbühnen seien vielmehr Begegnungsstätten.

Großer Abschied von Doris Weiner

Für die langjährigen Bezirke-Leiterin und Grande Dame des Volkstheaters Doris Weiner, die just in der Covid-19-Zeit in Pension ging, wird es Ende Oktober (das genaue Datum wird gerade geplant) einen großen Abschiedsabend geben. „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ wird dabei noch einmal im Haupthaus zu sehen sein.

Die genauen Termine für die Herbst-Premieren werden Mitte August bekannt gegeben. Informieren Sie Sich auf der Seite des Wiener Volkstheaters.

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