Rebecca Horner interpretiert Picasso in der leeren Albertina

Die Albertina befragt unter dem Titel „Allein im Museum“, was man in einem leeren Museum tun könnte. Rebecca Horner, Solotänzerin des Wiener Staatsballetts, hat für die Aktion zu zwei Bildern von Picasso getanzt. Ab kommender Woche ist das Museum wieder für Besucher geöffnet.

von Sarah Wetzlmayr, 4. Februar 2021

Rebecca Horner interpretiert Picasso in der leeren Albertina
Solotänzerin Rebecca Horner vor dem Gemälde „Frau mit grünem Hut". Foto: Albertina

Wie kam es zu dieser doch eher ungewöhnlichen Zusammenarbeit mit der Albertina?

Das ist eigentlich ganz unkompliziert abgelaufen. Die für das Projekt zuständigen Personen in der Albertina sind direkt an mich herangetreten und haben mir davon erzählt, dass unter dem Titel „Allein im Museum“, Followerinnen und Follower dazu befragt wurden, was man in einem leeren Museum tun könnte. Dabei wurde unter anderem Tanz sehr häufig genannt. Aber zum Beispiel auch Yoga und Meditation. Als ich dann gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte in der leeren Albertina zu tanzen, war ich sofort begeistert. Weil wir ja gerade nicht auftreten und uns auf einer Bühne ausdrücken dürfen, ist uns Tänzerinnen und Tänzern momentan jede Bühne, die uns geboten wird, willkommen.

Aber es gab keinen Livestream wie bei den Yoga- und Meditationsklassen …

Es war ursprünglich zwar als Livestream geplant, dazu hatte ich jedoch einige Bedenken, die ich dann auch vorsichtig geäußert habe. Schon Tanz aufzunehmen ist keine einfache Sache, das dann auch noch live zu übertragen, noch ein bisschen schwieriger. Wir haben uns dann schnell darauf geeinigt, dass alle Faktoren, also auch die Bilder, besser zur Geltung kommen, wenn der Beitrag aufgenommen und geschnitten wird. Außerdem ist es gerade bei Improvisation so, dass es auch sehr auf die Tagesform ankommt. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und nach einem anstrengenden Arbeitstag ist manchmal einfach die Luft draußen oder ich spüre es einfach nicht in der Weise wie ich es gerne möchte.

Wie ist es dann weitergegangen?

Wir sind dann durch das Museum gegangen und ich durfte mir zwei Werke aussuchen. Im Grunde wusste ich aber schon vorher, dass ich gerne zu zwei Bildern von Picasso tanzen würde, weil ich schon sehr lange von seiner Malerei fasziniert bin. Das hat sich bei unserem Spaziergang durch das Museum dann auch bestätigt.

Ein Dialog zwischen Frauen

Welche Elemente der beiden Bilder waren für Ihre Interpretation besonders wichtig?

Bei „Frau mit grünem Hut“ fasziniert mich vor allem ihr abstraktes Gesicht. Außerdem fand ich es schön, mit einem Bild zu tanzen, das einen direkt anschaut. Ich habe mir vorgestellt, dass ich mich mit dieser Dame in einem stillen Dialog befinde – in einem Gespräch zwischen Frauen. Das andere Bild, „Stillleben mit Gitarre“, hat mich auch sofort gefesselt, weil eine Gitarre für mich immer Musik und damit auch Tanz und Lebendigkeit bedeutet. Das war dann für mich einfach eine logische Verbindung.

Wie ist es Ihnen mit der Leere des Raumes gegangen?

Ich muss zugeben, dass ich mir vor dem Dreh noch gedacht habe, dass es vielleicht ein bisschen bedrückend sein könnte, ganz alleine in einem leeren Museum zu tanzen. War es aber nicht. Ganz im Gegenteil, denn trotz dieser Ruhe entwickelt sich keine wirkliche Stille, weil in den Bildern so viel Leben steckt. Sie erzählen unglaublich viel. Für mich ergibt sich daraus eine schöne Verbindung zum Tanzen, denn auch beim Tanzen ist nach außen hin ja alles ganz leise, obwohl es in mir drinnen überhaupt nicht ruhig ist.

Warum passen die beiden Kunstformen so gut zusammen?

Ich kann mir gut vorstellen, dass Tanz und Malerei deshalb so gut zusammenpassen, weil beides stille Künste sind. Das eine lässt also genug Platz für das andere. Sie können nebeneinander existieren, ohne dass eine Kunstform übersehen wird. Darüber hinaus glaube ich, dass die Menschen in der aktuellen Situation ein bisschen Balsam für die Seele brauchen und sich daran erfreuen, etwas Schönes zu sehen. Viele Menschen sind momentan ja vor allem mit den eigenen vier Wänden konfrontiert. Da tut ein bisschen Nahrung für die Augen einfach gut.

Zur Person: Rebecca Horner

Rebecca Horner, geboren 1989 in Wien, am Performing Center Austria und an der Ballettschule der Wiener Staatsoper ausgebildet, ist seit 2007 Mitglied des Staatsballetts. Manuel Legris ernannte sie 2015 zur Halbsolistin und 2017 zur Solotänzerin. Als Kind spielte die Künstlerin bereits in Filmen an der Seite von Otto Schenk, wandte sich aber dann ganz dem Tanz zu. 2019 erhielt sie den renommierten Fanny-Elßler-Ring. Er wird als Äquivalent zum Iffland-Ring an hervorragende österreichische Tanzkünstler verliehen. Horner hat mit dem Balletttänzer Andrey Kaydanovskiy zwei Töchter.

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Ab 8. Februar darf die Wiener Albertina wieder öffnen