Theater an der Wien eröffnet mit bittersüßer Opernrarität

Mit Ruggero Leoncavallo „Zazà" fiel die Wahl auf eine selten gespielte Oper. Zu Unrecht gilt sie heute als Rarität - wie sich die Besucherinnen und Besucher bei der Premiere überzeugen konnten.

von Julia Schilly, 18. September 2020

Theater an der Wien eröffnet mit bittersüßer Opernrarität
Zazà (Svetlana Aksenova) hat sich in den falschen - weil verheirateten - Mann verliebt. Milio Dufresne (Nikolai Schukoff) sorgt für Drama und Leid. Foto: Monika Rittershaus

Mit Zazà, der unglücklichen Varietésängerin, startete das Theater an der Wien in die neue Saison. Die Wahl fiel damit auf eine mittlerweile selten aufgeführte Oper. Während Ruggero Leoncavallos „Bajazzo“ noch regelmäßig inszeniert wird, gilt Zazà als Opernrarität. Regie führte Christof Loy. Er setzt auf starke Charaktere, die große Konflikte vor einem reduzierten Bühnenbild austragen.

Die russische Sopranistin Svetlana Aksenova meisterte die anspruchsvolle Partie mit Bravour – sowohl stimmlich, als auch schauspielerisch. In den insgesamt vier Akten hat sie kaum Pausen, sie durchläuft eine emotionale Achterbahnfahrt von frisch verliebt und naiv bis besitzergreifend und dem Wahnsinn nahe.

Svetlana Aksenova brilliert als Zazà im Theater an der Wien. Foto: Monika Rittershaus

Verdichten, ohne zu glätten

Loy berichtet über seine Herangehensweise war: „Es war durchaus ein steiniger Weg. Ich kann verstehen, dass der Komponist mit dem Stück haderte und nach der Uraufführung selbst eine stark revidierte zweite Fassung erstellte.“ Gemeinsam mit dem Dirigenten Stefan Soltész habe er versucht das Werk zu verdichten, ohne es zu glätten.

Svetlana Aksenova (Zazà) und Nikolai Schukoff (Milio Dufresne) in den Hauptrollen. Foto: Monika Rittershaus

Vorurteilsfreie Auswahl des Stücks

Loy beschäftige sich gerne mit außergewöhnlicheren Werken: Es sei zwar auch reizvoll für ihn, vertraute Stücke zu inszenieren, bei denen er sich mit deren Rezeptionsgeschichte auseinandersetzen muss, aber eben auch unbekannte Stücke, bei denen er „in der Fantasie sehr frei und unbelastet agieren kann“. Er möchte vorurteilsfrei die Auswahl treffen, welche Stücke er inszeniert. „Und Zazà hat nun wohl wirklich noch kaum einer gesehen“, so Loy.

Und was ihn ganz speziell an der Figur der Zazà fasziniert hat? Sie passe ganz schwer in das übliche Schema von Frauenfiguren, so Loy. Sie entspreche keinem Klischee.

Foto: Monika Rittershaus

Termine

„Zazá“ ist im Theater an der Wien noch am 18., 21., 23., 25. und 27. September jeweils um 19.00 Uhr zu sehen.
Karten und Termine

Medienhinweis

Ö1 überträgt die Aufnahme der Premiere am Samstag, 19.9., um 19.30 Uhr.

Am 8. November ist „Zaza“ um 20.15 Uhr in ORF III zu sehen.