Martin Kusej inszenierte das Stück 2019 im Burgtheater.

Wer hat Angst vor Virginia Woolf? von Edward Albee

Theresa Steininger, 30.11.2022

Diese zum modernen Theaterklassiker gewordene Zurschaustellung einer Ehehölle lässt mehrfach denken, dass es ärger nicht mehr gehe - und setzt dann noch einen drauf. Eine Zusammenfassung.

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Der wenig bedeutsame Geschichtsprofessor George und seine Frau Martha, die die Tochter seines Rektors ist, kommen mitten in der Nacht von einer Party heim. Martha hat noch das Kollegenehepaar Nick und Honey eingeladen, alle sind schon reichlich betrunken. Zum Zeitvertreib spielen sie "Gesellschaftsspiele", die immer mehr von Demütigung und Niedertracht gezeichnet sind. Erst sind die Besucher noch erstaunt, dann werden sie immer mehr hineingezogen. Aus Flirts werden Partnertausch, aus Neckereien heftige Beleidigungen und Obszönitäten. George weiß, dass die Kinderlosigkeit neben seinem beruflichen Misserfolg der Grund dafür ist, dass seine Partnerschaft zur Hölle wurde und seine Frau ihn laufend spüren lässt, was für eine Null er ist. Und ihm ist klar, dass die Ehe eigentlich nur mehr durch das Konstrukt eines erfundenen Sohnes besteht. Schlussendlich verkündet er, dass dieser Sohn gestorben sei - und raubt Martha die lebensnotwendige Illusion. Am Ende bleiben die beiden alleine - gefangen in ihrer Verlorenheit und Hassliebe.

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