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„kusch moritz / du kannst das ausziehen / so wird die zukunft nicht aussehen“, sagt Jonas zu Moritz, nachdem dieser von seinen Internatskolleg*innen dazu aufgefordert wurde, ihnen seinen neuen Pullover zu präsentieren. Das strenge Urteil abwartend dreht er sich so lange um sich selbst, bis ihm schwindelig wird. Doch nicht nur mit neuen Kleidungsstücken bereiten sich die Figuren in Johannes Hoffmanns dystopisch anmutendem Stück „Nachtschattengewächse“ darauf vor, endlich an der Welt außerhalb des Internats teilhaben zu dürfen, sondern auch mit einstudierten Verhaltensweisen und von den Erwachsenen abgeschauten Redewendungen. Wie Fremdkörper purzeln Begriffe wie „Avantgarde“ aus ihnen heraus. Und in die Zukunft müssen sie, wie in einen viel zu großen Pullover, erst hineinwachsen. Nur im Dunkel der Nacht tritt die Sehnsucht nach Autonomie flüsternd hervor.
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