Das Ensemble von „Kill my Phantoms!”: b. fleischmann, Martin Hemmer, Phillipp Laabmayr, Alice Peterhans,  Julia Schranz und Birgit Stöger.

Verzicht, Verlust, Versuch: „Kill my Phantoms!“

Sarah Wetzlmayr, 10.03.2025

Statt aus Helikoptern zu springen, hüpfen die Klient*innen in „Kill my Phantoms!“ nur noch von Gruppentherapie zu Einzelgespräch. Sie müssen lernen, zu verzichten, andernfalls droht die Pflanzwerdung. Veronika Glatzner hat mit ihrem grandiosen Ensemble ein immersives Stück zwischen surrealer Dystopie und bedrückendem Realismus entwickelt.

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Wir befinden uns in der Zukunft. Die ökologische Krise hat sich so sehr zugespitzt, dass es keine andere Möglichkeit mehr gibt, als radikal zu verzichten. Andernfalls – wenn über das eigene Co2-Budget hinaus konsumiert wird – droht die sogenannte „Pflanzwerdung“. Die meisten Klient*innen des sozioökologischen Therapiezentrums, in dem sich das immersive Theaterstück „Kill my Phantoms!“ abspielt, tragen bereits erste Spuren der Transformation auf ihrer Haut. Daher gilt es, nicht nur auf offensichtlich Überflüssiges, sondern auch auf vermeintlich Notwendiges zu verzichten – auf bestimmte Privilegien ebenso wie auf Güter. Damit geht unter anderem einher, dass die meisten großen Lebensbereiche der Klient*innen nur noch in der Vergangenheitsform existieren. Enzo, gespielt von Phillipp Laabmayr, muss erst lernen, von seiner großen Leidenschaft – dem Eistauchen – im Präteritum zu sprechen. Dass ihm das schwerfällt, ist gut nachvollziehbar. Verbot, Verzicht und Vernunft sind an die Stelle von teuren Helikoptersprüngen getreten.

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