Alle sind Orlando. „Orlando“ ist Virgina Woolfs großes und humorvolles Plädoyer für Mehrdeutigkeit. Weil jeder Mensch mehr als nur ein Ich hat, verkörpern in Therese Willstedts Inszenierung alle sieben Spieler*innen die Hauptfigur.

Raus aus dem Kopf, rein in den Körper

Sarah Wetzlmayr, 29.08.2024

Zwischen Selbstfindung und Selbsterfindung bewegt sich Virginia Woolfs Romanfigur Orlando durch die Jahrhunderte – und zeigt dabei, dass es möglich ist, mehr als nur ein Leben zu leben. Regisseurin Therese Willstedt bringt gleich sieben Orlandos ins Spiel(en).

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„Man lebt nur einmal“ ist ein Satz, auf den sich die meisten Menschen ganz gut einigen können. Dennoch ist die Einmaligkeit, die in dieser Aussage mit großem Wandtattoo-Potenzial steckt, auch ein wenig tückisch, weil sie suggeriert, dass man als einzelner Mensch nur ein einziges Leben leben kann. Stimmt nicht, dachte sich einst Schriftstellerin Virginia Woolf und packte all ihre Überlegungen zu diesem Thema in ihren Roman „Orlando“. Stimmt überhaupt nicht, dachte sich auch die schwedische Regisseurin Therese Willstedt, die Woolfs fantastische Geschichte über die durch vier Jahrhunderte reisende, vieldeutige Figur im Akademietheater auf die Bühne bringt. Die Rolle des Orlando hat sie auf sieben Spieler*innen unterschiedlichen Alters aufgeteilt. Zwei davon, Stefanie Dvorak und Seán McDonagh, treffen wir in der letzten Probenwoche vor den Theaterferien über Zoom.

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