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„An einem Junisonntag am frühen Nachmittag wollte mein Vater meine Mutter umbringen“, lautet jener Satz, mit dem die frischgebackene Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux ihren etwa 100-seitigen Roman „Die Scham“ beginnt. Sie fällt mit der Tür ins Haus ihrer Kindheit – so könnte man diesen Einstieg, wenn auch etwas floskelhaft, beschreiben. Dieser mit Scham und Verdrängung behaftete Vorfall, der sich an einem Junisonntag im Jahr 1952 ereignete, lässt sie, so bezeichnete es Ernaux immer wieder selbst, zur „Ethnologin ihrer selbst“ werden. Schicht für Schicht legt sie in ihrem Roman den Kern ihrer Scham frei.
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