Gut beschäftigt. Friederike Tiefenbacher ist ab 29. Oktober nicht nur in „Die Scham“ zu sehen, sondern auch in „Faust“ und „Der Würgeengel“.

Nackter als nackt

Sarah Wetzlmayr, 25.10.2022

In ihrem Roman „Die Scham“ rekonstruiert Annie Ernaux ihre eigene Geschichte, indem sie ein verdrängtes Ereignis Schicht für Schicht freilegt. In der Dunkelkammer des Volkstheaters ­begibt sich Friederike Tiefenbacher auf die Suche zum Kern
der von ihr geschilderten Scham.

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„An einem Junisonntag am frühen Nachmittag wollte mein Vater meine Mutter umbringen“, lautet jener Satz, mit dem die frischgebackene Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux ihren etwa 100-seitigen Roman „Die Scham“ beginnt. Sie fällt mit der Tür ins Haus ihrer Kindheit – so könnte man diesen Einstieg, wenn auch etwas floskelhaft, beschreiben. Dieser mit Scham und Verdrängung behaftete Vorfall, der sich an einem Junisonntag im Jahr 1952 ereignete, lässt sie, so bezeichnete es Ernaux immer wieder selbst, zur „Ethnologin ihrer selbst“ werden. Schicht für Schicht legt sie in ihrem Roman den Kern ihrer Scham frei.

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