Michael Köhlmeier über Metaphern – aber nicht nur

Redaktion, 17.10.2022

Wir werden Metaphern nicht los. Warum sollten wir auch? Sie bebildern unsere Sprache. Es sind Bilder, die uns die Wirklichkeit näher bringen sollen, sie aber zugleich auf Abstand halten.

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Manche Menschen leben in einem immerwährenden bestimmten Alter. Sie sind und waren immer zwanzig oder dreißig, und wenn sie achtzig werden, sind sie immer noch zwanzig oder dreißig. Vielleicht kommt jetzt einer und sagt, ja, genau – „in meinem Herzen“ bin ich zwanzig. Da zucke ich bereits zusammen. Das Herz ist in diesem Fall nämlich eine Metapher. Ein Stellvertreterwort, ein Platzhalter für etwas, was sich nicht in Worten ausdrücken lässt. Achtung, ab jetzt wird es verschwurbelt. Auch so ein Wort. Das gab es schon lange, während der Pandemie aber hat es an Gewicht gewonnen – schon wieder eine Metapher: Wie kann ein Wort an Gewicht gewinnen? Ich merke, ich bewege mich auf dünnem … ich spreche nicht weiter, es wäre nur wieder eine Metapher.

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