Schriftsteller Michael Köhlmeier schreibt jeden Monat in der BÜHNE über Kulturthemen, die ihn bewegen.

Michael Köhlmeier: Kunst ist als ob

Redaktion, 18.03.2022

Der Rahmen tat, als ob Kunst wäre, was er umfasst. Die Geschichte zu diesem Satz finden Sie in der letzten Spalte. Lesen Sie bitte aber auch, was davor steht.

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Lange hielt die Göttin Pallas Athene ihre Hand über ihn. In seiner Jugend aber war er Bildhauer gewesen. Er baute Menschen nach. Die stellte er in Athen auf den Marktplatz. Dann hat er gehorcht, was die Leute sagen. Sie sagten: „Diese Figuren, die sehen fast so aus, als ob sie lebten. Fast!“Das „fast“ machte ihn zornig und das „als ob“. Er forschte und experimentierte und kam drauf: Die Bewegung fehlt. Da hat er aus seinen Figuren Maschinen gemacht. Nun bewegten sie sich. Und was geschah? Nichts geschah. Die Leute sagten: „Man hat schon lange nichts mehr von Daidalos gehört. Was macht er? Macht er noch etwas?“ Seine Figuren, die sich auf dem Marktplatz von Athen bewegten, sahen aus wie lebendige Menschen. Niemand konnte sie von wirklichen Menschen unterscheiden, niemand hat sich um sie gekümmert. Niemand dachte: Als ob sie lebendig wären. Alle glaubten, sie seien es. Das ist interessant!

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