Robert Seethaler bezeichnet sich selbst als „Augenblickschreiber“.

Literarische Rückführung

Klaus Peter Vollmann, 19.05.2023

„Das Café ohne Namen“ beschreibt Leben, Lieben und Leiden am Karmelitermarkt Ende der 1960er-Jahre. Robert Seethaler erschafft in seinem neuen Roman ein flirrendes Kaleidoskop des allzu Menschlichen, das einen mit jedem Wort tiefer absorbiert. Ein Gespräch über die Anstrengungen des Schreibens und die Scham als Lebensthema.

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Man kann die Farbe des Sommers über der milchig gelben Donau ermessen. Die Zutaten des im Winter servierten Punschs wittern. Die Schmerzen des physisch verschlissenen Wrestlers René bei jedem Schlag des Gegners spüren. Seinen Selbstekel – betrunken hinter einer Mülltonne liegend – schmecken. Den Lippenstift der überschminkten Dame, die sich als beredte Philosophin des Alltags erweist, nuanciert bestimmen. Und die Liebe, für die es so weniger Worte bedarf, empfinden.

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