Angelika Pichler ist Meisterschneiderin. Seit 2008 ist sie international als Kostümbildnerin und Ausstatterin im Theater und Film tätig. Für die Kammeroper entwickelte sie die Kostüme für die aktuelle Produktion von „Giasone".

Kostümbildnerin: Eine maßgeschneiderte Welt fernab des Alltags

Julia Schilly, 01.02.2021

Angelika Pichler ist Kostümbildnerin. Sie arbeitet für Theater und Film. Für die Kammeroper gestaltete sie die Kostüme für „Giasone". Der BÜHNE erzählte die Meisterschneiderin, wie eine neue Welt aus Schnitten, Materialien und Farben entsteht.

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Draußen wird die Welt gerade von der Pandemie und dem Winter dominiert. In der Kammeroper am Fleischmarkt in der Wiener Innenstadt öffnet sich eine betörende Parallelwelt aus goldenem Stuck, rotem Samt und wunderbaren Melodien von Francesco Cavalli. Sein „Giasone“ wird geprobt. Das Theater ist freilich recht menschenleer und alle Anwesenden durchlaufen vor den Proben Covid-Tests. Nur wenige, für die Produktion essentielle Personen, arbeiten an diesem Tag. Weiter hinten im Zuschauerraum sitzt Angelika Pichler und beobachtet konzentriert jede Bewegung der Sängerinnen und Sänger. „Ich muss die Schauspieler gut kennenlernen und sehen, wie sie mein Kostüm tragen. Es bringt nichts, wenn ich mir etwas ausdenke und eine Schauspielerin vom Charakter her ganz anders ist und sich nicht wohl fühlt. Das Publikum spürt das sofort“, sagt die Kostümbildnerin. Pichler ist Meisterschneiderin und erarbeitete die Kostüme für „Giasone“. Wie sieht der kreative Prozess aus? Zunächst klingt das weniger glamourös als gedacht. „Wir Kostümbildner lesen sehr viel", sagt sie. Zunächst studiert sie das Stück und beschäftigt sich mit dem historischen Grundkonzept. Ihre Entwürfe entwickelt die 33-Jährige mit einer unglaublichen Liebe zum Detail. Als Laie taucht man sofort in ein Universum an Materialien, Techniken und Farben ab, wenn die Künstlerin von ihrer Arbeit erzählt: „Ich kann mich mit alten Schnitten beschäftigen, wie die Kostüme im 17. Jahrhundert ausgesehen haben und aus dem Ganzen wieder etwas komplett Neues machen."

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