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„Die Ungargasse im Dritten ist eine Schlucht, eine melancholische, aber gleichwohl schöne Schlucht“, schrieb der Musiker Ernst Molden in einer Hommage an das dort beheimatete Café Malipop. Durch die gesamte Ungargassenschlucht braust der O-Wagen, der, so glaubt man Molden, von den Schluchtbewohner*innen auch Nuller genannt wird. Zu ebenjenen gehören auch die namenlose Ich-Erzählerin aus Ingeborg Bachmanns melancholischem, gleichwohl schönem Roman „Malina“ wie auch ihr titelgebender Mitbewohner und ihr Liebhaber Ivan. Viel wichtiger als die Vorgänge, die sich auf Straßenniveau abspielen – zum Beispiel: Die Ich-Erzählerin sieht Ivan vor einem Blumengeschäft und verliebt sich in ihn –, sind jedoch jene Abgründe, die sich im Inneren der Hauptfigur auftun und die so tief sind, dass sämtliche Interpretations- und Auslegungsversuche davon bereits verschluckt wurden. Tatsächlich gehört Bachmanns einziger Roman, den sie als „geistige, imaginäre Autobiografie“ bezeichnete, zu den am meisten interpretierten Prosatexten der österreichischen Nachkriegsliteratur.
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