Probenpause im Café Liebling. Regisseurin Claudia Buer und Dramaturg Matthias Seier im Gastgarten des Café Liebling im Volkstheater. Auch mit dabei: Lili, die während des Interviews friedlich döste.

Im Bann der Bachmann: „Malina“ im Volkstheater

Sarah Wetzlmayr, 22.08.2023

Nach Ernst Jandl widmen sich Claudia Bauer und Matthias Seier erneut einer Säulenheiligen der österreichischen Literatur. Wenn es jemanden gelingt, Ingeborg Bachmann und ihrem Roman „Malina“ ein Denkmal zu setzen, das gar keines sein möchte, dann den beiden.

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„Die Ungargasse im Dritten ist eine Schlucht, eine melancholische, aber gleichwohl schöne Schlucht“, schrieb der Musiker Ernst Molden in einer Hommage an das dort beheimatete Café Malipop. Durch die gesamte Ungar­gassenschlucht braust der O-Wagen, der, so glaubt man Molden, von den Schluchtbewohner*innen auch Nuller genannt wird. Zu ebenjenen gehören auch die namenlose Ich-Erzählerin aus Ingeborg Bachmanns melancholischem, gleichwohl schönem Roman „Malina“ wie auch ihr titelgebender Mitbewohner und ihr Liebhaber Ivan. Viel wichtiger als die Vorgänge, die sich auf Straßenniveau abspielen – zum Beispiel: Die Ich-Erzählerin sieht Ivan vor einem Blumengeschäft und verliebt sich in ihn –, sind jedoch jene Abgründe, die sich im Inneren der Hauptfigur auftun und die so tief sind, dass sämtliche Inter­pretations- und Auslegungsversuche davon bereits verschluckt wurden. Tatsächlich gehört Bachmanns einziger Roman, den sie als „geistige, imaginäre Autobiografie“ bezeichnete, zu den am meisten interpretierten Prosatexten der österreichischen Nachkriegsliteratur.

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