Sven-Eric Bechtolf, geboren 1957 in Darmstadt, Schauspieler und Theater- und Opernregisseur. Von 1999 bis 2006 war er festes Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater, 2015 und 2016 war er künstlerische Leiter der Salzburger Festspiele. Zahlreiche Auszeichnungen, u. a. Nestroy-Theaterpreis als bester Schauspieler (2001, 2002).

„Es bleibt immer dieser beunruhigende Rest“: Sven-Eric Bechtolf spielt Kafka in Gmunden

Sarah Wetzlmayr, 09.08.2024

„Kafkas Texte wollen in unserer Psyche ihr Eigenleben weiterführen“, ist der vielfach ausgezeichnete Schauspieler und Regisseur Sven-Eric Bechtolf überzeugt. Weil die beiden Erzählungen „Ein Bericht für eine Akademie“ und „Eine kleine Frau“ schon seit vielen Jahren in ihm herumgeistern, bringt er sie nun in Gmunden auf die Bühne. Wir haben mit ihm telefoniert.

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„Ich war vor einiger Zeit in Prag und bin die wichtigsten Stationen seines Lebens abgegangen, die man zu Fuß alle gut erreichen kann, weil sie nicht weit voneinander entfernt liegen. Ich finde es erstaunlich, dass die literarische Welt Franz Kafkas in diesem winzigen Zirkel entstanden ist“, erzählt Sven-Eric Bechtolf. Einen winzigen Teil dieser abgründigen, oft surrealen Welt präsentiert er am 9. und 12. August auf der Bühne des Gmundner Stadttheaters. Für die Salzkammergutfestwochen Gmunden hat der vielfach ausgezeichnete Schauspieler und Regisseur die beiden Erzählungen „Ein Bericht für eine Akademie“ und „Eine kleine Frau“ für die Theaterbühne erarbeitet. Wir telefonieren am Tag vor der Premiere. Während sich in Gmunden sämtliche Regenwolken sintflutartig entladen, präsentiert sich der Himmel über Wien noch in schönstem Augustblau. Bechtolf wirkt gelöst und entspannt. Mit dem Satz „Heute ist es noch relativ ruhig, richtig spannend wird es erst morgen“ untermauert er diesen Eindruck. So etwas wie Routine oder Abgebrühtheit hätte sich bei ihm aber auch nach all den Jahren im Beruf nie eingestellt. „Vielleicht wäre es gut, wenn das passieren würde, vielleicht aber auch nicht“, hält er lachend fest. „Ich glaube, dass es vom Maß abhängt – ein bisschen Adrenalin ist gut, zu viel davon ist schädlich.“

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