Umgeben von Instrumenten. Obwohl ihn Schauspiel durchaus reizen würde, hat Johannes Erath bisher ausschließlich Oper inszeniert: „Ich brauche Musik als emotionale Andockstelle.“

Die Csárdásfürstin: Liebe in Zeiten von Krieg und Heuchelei

Klaus Peter Vollmann, 06.03.2025

Emmerich Kálmáns „Csárdásfürstin“ als nostalgischer Abgesang auf eine Epoche mit Parallelen zur Jetztzeit. Johannes Erath über Sentiment als Seelenbalsam, die Relevanz von Operette, seinen Weg von der Geige auf den Regiestuhl und die Fantasie des Publikums.

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Picksüß ist höchstens der Champagner. In Emmerich Kálmáns 1915 uraufgeführter Operette „Die Csárdásfürstin“ geht es inhaltlich an die Grenzen der k.u.k. Contenance. Nicht nur dass die gefeierte Chansonnière Sylva Varescu und Fürstensohn Edwin ein nicht standesgemäßes Paar abgeben, dessen Liebe dennoch die Sympathien des Publikums gehören, stellt sich am Ende auch heraus, dass der adelige Dünkel von Edwins Eltern auf reiner Heuchelei beruht. Die nicht immer beschwingten Melodien werden konterkariert vom Ersten Weltkrieg, der auch in der Handlung selbst mehr ist als ein Hintergrundrauschen. Bis im furiosen Finale „Tausend kleine Englein singen“, ist jedem Besucher klar geworden, dass hier auch die Monarchie zum Schlussakkord angesetzt hat.

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