Martin Hemmer und Simon Dietersdorfer in „Der Ursprung der Welt“.

Der Ursprung der Welt: Das Patriarchat wegrocken

Sarah Wetzlmayr, 25.04.2024

„Der Ursprung der Welt“, eine Bühnenadaption der gleichnamigen Graphic Novel von Liv Strömquist, ist laut, wummernd und druckvoll. Dabei aber auch in genau jenem Maße komisch, das es braucht, um all die absurden Ansichten des Patriarchats über den weiblichen Körper zu entlarven. Wir haben mit Martin Hemmer und Simon Dietersdorfer über das Stück gesprochen.

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Wo nichts ist, kann es auch keine Probleme geben, richtig? Und somit auch kein Diskussions- oder Ergründungspotenzial. Eine ganz andere Frage drängt sich auf: Könnte das vielleicht die Argumentationsgrundlage dafür sein, warum die primären weiblichen Geschlechtsorgane in der Vergangenheit häufig als ein einfacher Strich dargestellt wurden? Ganz so simpel ist die Sache nicht, denn in erster Linie rührt die alles andere als detaillierte Darstellung daher, dass die Vulva über viele Jahrhunderte hinweg als etwas wahrgenommen wurde, das fehlt. Als Leerstelle. Als weißen, cis, hetero Männern fehlt es den beiden Protagonisten in „Der Ursprung der Welt“, einem auf der gleichnamigen Graphic Novel von Liv Strömquist basierendem Stück, an fast nichts. Trotzdem begeben sie sich in ihren silbernen Raumanzügen in diese Leerstelle hinein, die im Bühnenbild von Flora Besenbäck kein Strich ist, sondern eine dreieckförmige Öffnung, aus der es hin und wieder geheimnisvoll raucht. Die Crew hätte sie entsandt, heißt es ein wenig später in der Inszenierung.

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