Table Dance. Adi Hanan steigt auf einen Tisch und blickt kopfüber in die Kamera. Warum? Warum nicht?

Berühren. Verführen. Erforschen. Befreien.

Klaus Peter Vollmann, 02.05.2024

Wo andere Bagger sehen, sieht sie Kreaturen. Alltägliche Phantasmen dienen Tänzerin Adi Hanan als Triebkraft ihrer zweiten Karriere. Mit der Choreographie „Eden“ exploriert sie nun die Sexualität von Adam und Eva. Biblische Sinnlichkeit in der Volksoper.

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Unverstellte Autorität. Adi Hanan kommt direkt vom Training in den Ballettsaal. Nach einem lächelnd-leisen Gruß streift sie ihre bequemen Schuhe ab, schlüpft in schwarze Pumps und steht wenige Minuten später kopfüber auf dem Tisch. Die aus Israel stammende Tänzerin des Wiener Staatsballetts wartet nicht auf Anweisungen des Fotografen, sondern bietet an: Mimik, Gestik, Körperspannung. Zurzeit schläft sie wenig, weil sie zwei Berufe koordinieren muss, denn seit sie 2022 im Rahmen von „Plattform Choreographie“ mit ihrem Erstlingswerk „Shadows“ nicht nur Ballettdirektor Martin Schläpfer beeindruckte, nimmt auch die Laufbahn als Choreographin Fahrt auf. „Mir war gar nicht bewusst, dass diesbezüglich ein Talent in mir schlummerte, sondern ich bin einfach jemand, der es mag, Neues auszuprobieren. Als ich die Chance dazu bekam, merkte ich, dass es ganz neue Facetten in mir eröffnete, ich fühlte mich, anders als sonst, ruhig und geerdet. Als Balletttänzerin muss man vor allem die Vorstellungen anderer erfüllen. Plötzlich stand ich zum ersten Mal selbst im Zentrum.“

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