Angelika Hager leitet das Gesellschafts­ressort beim Nachrichtenmagazin „profil“, ist die Frau hinter dem Kolumnen-Pseudo­nym Polly Adler im „­Kurier“ und ­gestaltet das Theaterfestival „Schwimmender Salon“ im Thermalbad Vöslau (Nieder­österreich).

Angelika Hager: Mich hätten Sie sehen sollen!

Angelika Hager, 20.01.2025

Über die voyeuristische Lust an Theater-Anekdoten und die Überzahl an Mimen-Memoiren.

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Jahr für Jahr winsle ich meinen Sommer-Nachbarn im Vöslauer Kabanien, den Burgschauspieler Roland Koch, an, dass er sie erzählt, die Geschichte vom Gastspiel in Sibirien. Manchmal lässt er sich ein bisschen bitten, doch die Story ist wie roter Wein: Sie wird von Jahr zu Jahr besser. Also: 2011 gastierte das Burgtheater mit Heinrich von Kleists Gerichtsfarce über Korruption und moralische Verkommenheit, „Der zerbrochne Krug“, im rauen Omsk in Sibirien; mit Michael Maertens im Part des Dorfrichters Adam, Regie: Matthias Hartmann. In Russland brodelte es zu dieser Zeit, denn damals durfte noch, im Verhältnis zu heute, ohne massive Freiheits- und Lebensbedrohung demonstriert werden; Herrn Putin wurde Wahlschwindel vorgeworfen. Im heutigen Lichte seines Angriffskriegs gegen die Ukraine ein Kavaliersdelikt.

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