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Je länger ich mit Schauspielern zu tun habe, sei es beruflich oder in Freundschaft, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, dass das Dar- und Verstellungsgeschäft eine der brutalsten Branchen im Kunstbereich ist. Als Oskar Werner einmal gefragt wurde, warum er so wenig in Hollywood gedreht habe, antwortete er in einem seiner letzten Interviews, das als DVD unter dem Titel „Charakter ist unser Schicksal“ erschienen ist: „Ich warte sicher nicht, dass mich jemand anruft. Ich bin doch kein Callboy!“ Jenseits des Glamours, in dessen Genuss ohnehin nur ein minimaler Prozentsatz driftet, warten Ängste, Verunsicherungen, Selbstwertdramen, Rivalitäten und oft noch immer der Machtmissbrauch seitens Regie oder Intendanz. Cholerisches Gebrüll auf Proben oder Sätze wie „Was ist mit dir? Ich seh dich nicht!“, wenn Darsteller vermeintlich nicht genug Strahlkraft besitzen, gehen heute nicht mehr so locker durch.
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