Kasino am Schwarzenbergplatz

Ode

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Wie frei ist die Kunst? Anne Fratzer, Akademierektorin und renommierte Künstlerin auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs, widmet überraschend ihr neuestes Werk den Nationalsozialisten – aus einem scheinbar ganz privaten Grund: Weil die Nazis einst ihren gewalttätigen Alkoholiker-Großvater ermordeten, so die Künstlerin, wurden der Großmutter und ihrer Familie Qualen erspart. So hätten die Täter von einst eine Ode verdient. Misslungener Scherz, ernsthafte Provokation oder genialer Tabubruch? In der hypernervösen Debatte prallen extreme Meinungen aufeinander. Rektorin Fratzer verliert erst ihren Ruf, dann ihre Stelle, und bald darauf ihr Leben. Doch das ist erst der Anfang.

Thomas Melle (Autor von „Die Welt im Rücken“) hat ein gleichermaßen verstörendes wie rasant-komisches Stück geschrieben, dessen Themen weit über den Kunstkosmos, in dem es spielt, hinausreichen. Denn wie weit Äußerungen gehen dürfen, wer für wen sprechen soll, und welchen Raum Identitätspolitik, Erinnerungskultur und Heimatdebatten im öffentlichen Diskurs und in der institutionellen Praxis einnehmen sollen – diese Fragen berühren grundlegend das Selbstverständnis unserer Gesellschaften. Der Budapester Regisseur András Dömötör inszeniert zum ersten Mal in Wien.