Schauspiel-Legende Bibiana Zeller verstorben

Publikumsliebling Bibiana Zeller ist tot. Die Kammerschauspielerin wurde 95 Jahre alt. Mehr als fünf Jahrzehnte war sie dem Wiener Burgtheater eng verbunden, zur Fernsehlegende wurde sie als Frau Kottan in „Kottan ermittelt“.

Bibiana Zeller, 1928 geboren in Mauer bei Wien, erhielt ihr erstes Engagement im Jahr 1950 am Theater in der Josefstadt. Zuvor hatte sie ihr Schauspielstudium am heutigen Franz Schubert Konservatorium abgeschlossen. Nach weiteren Stationen, u. a. am Theater am Kurfürstendamm in Berlin, der Komödie in Stuttgart und dem Theater Bonn, kehrte sie 1972 nach Wien zurück und wurde von Gerhard Klingenberg ans Burgtheater engagiert. Neben ihrer Theaterarbeit war Zeller seit den 1950er Jahren regelmäßig auch in Film- und Fernsehrollen zu sehen. Dem breiten Publikum war sie vor allem aus der Fernsehserie „Kottan ermittelt“ bekannt. 2010 wurde die Schauspielerin mit einer Romy ausgezeichnet.

Am Burgtheater trat Bibiana Zeller in unzähligen Rollen und Stücken auf, wobei ihre besondere Vorliebe zeitgenössischen Autor*innen und ihren Stücken galt. So spielte sie in Claus Peymanns legendären Thomas Bernhard-Inszenierungen die schweigsame Wirtin im „Theatermacher“ und Frau Liebig im „Heldenplatz“.  

In einem APA-Interview aus dem Jahr 2013 sagte sie: „Eigentlich habe ich mir bei jedem Stück die andere Rolle gewünscht, aber die hat dann immer Gusti Wolf bekommen. Ich habe immer die kleinere Rolle bekommen, aber ich habe es Gusti gegönnt, wir haben uns gut verstanden.“

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Anspruchsvolle Stücke

1998 zur Kammerschauspielerin ernannt, kehrte Bibiana Zeller trotz ihrer Pensionierung im Jahr 1999 immer wieder auf die Bühnen des Burgtheaters zurück. 2001 war sie in „Glaube und Heimat“ von Karl Schönherr als Mutter der Rottin in der Regie von Martin Kušej zu sehen wie auch in vielen anspruchsvollen und mitunter absurden Ur- und Erstaufführungen, etwa in Gert Jonkes „Chorphantasie“ und „Die versunkene Kathedrale“ in der Regie von Christiane Pohle, in „Der Bus“ von Lukas Bärfuss und in „Elisabeth II.“ von Thomas Bernhard in der Regie von Thomas Langhoff, in „Ende und Anfang“ von Roland Schimmelpfennig in der Regie von Nicolas Stemann sowie Friederike Hellers Handke-Inszenierungen „Untertagblues“ und „Spuren der Verirrten“.

Im Jahr 2000 wurde Bibiana Zeller von der Ö1-Hörspieljury mit dem ORF-Hörspielpreis als Schauspielerin des Jahres ausgezeichnet. Bei den Salzburger Festspielen 2005 und 2006 konnte man sie als Jedermanns Mutter zusammen mit Peter Simonischek am Salzburger Domplatz erleben. In ihren letzten aktiven Jahren spielte sie im Fernsehen u. a. in „Alles Schwindel“ von Regisseur Wolfgang Murnberger. Außerdem war sie 2016 in „Die Blumen von gestern“ von Chris Kraus noch in einer Kinorolle zu sehen.

Bibiana Zeller
Foto: Jim Rakete

Eine fixe Größe

Bibiana Zeller war Trägerin des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien und des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich. 

„Ob Bühne, Film oder Fernsehen: Bibiana Zeller war eine der beliebtesten Wiener Schauspielerinnen. Die Vielbeschäftigte arbeitete mit den Größen ihrer Zeit zusammen und spielte sich beispielsweise in den legendären Thomas Bernhard-Inszenierungen von Claus Peymann am Burgtheater in das kulturelle Gedächtnis der Stadt ein“, so Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler gegenüber der APA. „Schon als Schülerin entwickelte sie eine tiefe Verbundenheit zum Burgtheater, dessen Zerstörung am Ende des Krieges sie miterlebte. Ab 1972 sollte sie dann als Ensemblemitglied selber Teil dieser Institution und eine fixe Größe in der Stadt werden.“

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