Pro Valentinstag: Fünf Theaterstücke für Verliebte

Irgendwie liegt es ja in der Natur der Sache, dass kaum ein anderes Medium die Dramatik bedingungsloser Liebe so gut einfängt wie das Theater. Welchen Stücken das besonders gut gelingt, lesen Sie hier.

Ist das Theater ein Ort für Verliebte? Wir finden schon und haben anlässlich des diesjährigen Valentinstags fünf Stücke herausgesucht, die das Phänomen – manche sagen auch Mythos dazu – bedingungsloser Liebe feiern. Mit all den (oft tödlichen) Konsequenzen, die mit absoluter Hingabe so einhergehen. Zwar kann man den Valentinstag heuer leider nicht im Theater verbringen, ganz auf Theater verzichten muss man aber auch nicht. So zeigt beispielsweise das Hamburger Thalia Theater via Stream eine Inszenierung von „Romeo und Julia“ – mehr Theaterliebe geht fast nicht.

William Shakespeare: Romeo und Julia

Drüben, bei der Liste der Stücke für all jene, die mit liebestollem Gefasel, roten Rosen und Schokotörtchen in Herzform nichts mehr zu tun haben wollen, geht es vermutlich auch mit Shakespeares „Romeo und Julia“ los. Einerseits irgendwie nachvollziehbar, andererseits darf das Stück auch in dieser Aufzählung nicht fehlen. Zwar geht die Geschichte für die beiden titelgebenden Hauptfiguren nicht gerade gut aus, für die Hauptprotagonistin dieser Liste, die Liebe nämlich, aber schon. Schließlich ist es die bedingungslose Liebe, die am Ende dieses tragischen Stückes die beiden verfeindeten Familien wieder zusammenführt.

Zweiter Sieger, neben der Liebe natürlich, ist die Filmindustrie. Sie hat das große Hollywood-Potenzial des Stückes gut erkannt und mit Leonardo DiCaprio als Romeo auch gleich alle Register gezogen. Am Theater ging man mit dem Stoff weniger eindimensional um. In Erinnerung bleibt zum Beispiel David Böschs punkige Inszenierung am Burgtheater. Oder auch Philipp Preuss Interpretation am Volkstheater, in der er das schmachtende Duo ganz einfach gegen ein Sextett ausgetauscht hat. Am Valentinstag kann man sich das Stück übrigens digital in einer Inszenierung von Jette Steckel ansehen. Mehr Infos auf der Website des Thalia Theaters.

Friedrich Schiller: Kabale und Liebe

Es scheint ein Garant für große Liebesgeschichten zu sein, dass der Titel aus zwei Wörtern besteht, – oft, aber nicht immer handelt es sich dabei um Vornamen – die durch das Bindewort „und“ zusammengehalten werden. Was sich bei William Shakespeare schon ganz gut bewährt hat, wurde am europäischen Festland von Friedrich Schiller erfolgreich weitergeführt. Und zwar mit „Kabale und Liebe“, einem der wichtigsten Dramen des Sturm und Drang. Ferdinand und Luise, die beiden Hauptfiguren, befinden sich in einer ähnlichen Lage wie Shakespeares hoffnungslos verlorenes Liebespaar. So spitzt sich ihr von Liebe getragenes Unglück im Verlauf des Stückes immer weiter zu, bis sich auch ihr tragisches Ende nicht mehr abwenden lässt.

In seiner Darstellung der Figurenkonstellation zieht Schiller jedoch eine für die Zeit des Sturm und Drang typische zusätzliche Ebene ein. Nämlich jene der Darstellung gesellschaftlichen Schranken – in diesem Fall zwischen Adel und Bürgertum. Als klassischer Vertreter des Sturm und Drang versucht Ferdinand, die alte Ordnung zu sprengen und präsentiert sich dabei als von der Idee der absoluten Liebe Besessener. Achtung: Was auf den ersten Blick unglaublich romantisch klingt, könnte sich im realen Leben allerdings als durchaus problematisch erweisen. Bedingungslosigkeit ist nämlich nur selten ein Garant für ein beschauliches Leben in trauter Zweisamkeit und frisch sanierter Altbauwohnung. Falls das in dieser Form überhaupt auf der Bucket List von Ferdinand und Luise stand.

Georg Büchner: Leonce und Lena

Mit „Leonce und Lena” führen wir die bewährte, bereits angesprochene Titelstruktur zwar weiter, bewegen uns dabei aber schnurstracks Richtung Komödie. Wurde auch langsam Zeit, schließlich passen die beiden Konzepte Liebe und Komödie, wie uns Hollywood in mehrstündigen, größtenteils von Hugh Grant getragenen Einheiten gelehrt hat, ja ganz gut zusammen. „Leonce und Lena“ ist das einzige Lustspiel von Georg Büchner und verknüpft Elemente der romantischen Komödie mit jenen der politischen Satire. Im Zentrum der Handlung steht Leonce, ein lebensmüder Prinz, der sein Leben eigentlich auf das süße Nichtstun ausgerichtet hat. Auf der Flucht vor der unendlichen Langeweile des Hofes verliebt er sich in Lena, weiß jedoch bis zum Schluss nicht, dass es sich dabei um jene Frau handelt, die sein Vater ohnehin für ihn bestimmt hatte. Inszeniert wurde das Stück unter anderem 2001 am Burgtheater – mit Nicolas Ofczarek als Leonce und Sabine Haupt als Lena.

Gertrude Lawrence und Noel Coward in der Broadway Produktion von „Private Lives". Foto: Public Domain

Noël Coward: Private Lives

Das Stück entspricht dem im englischen Raum sehr viel weiter verbreiteten Genre des Konversationsstücks (Comedy of Manners). Es wurde 1930 uraufgeführt und erzählt die Geschichte eines geschiedenen Paares, das während der Flitterwochen mit ihren neuen Ehepartnern entdeckt, dass sie im selben Hotel in benachbarten Zimmern übernachten. Es dauert nicht lange bis sie erkennen, dass sie immer noch Gefühle füreinander haben. Daraufhin entspinnt sich ein neues Kapitel ihrer gemeinsamen Geschichte, das sich mit dem Satz „Sie können nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander“ ganz gut zusammenfassen lässt. Große Gefühle und kleine bis mittelgroße Gewaltausbrüche inklusive. Die Liebesszene im zweiten Akt wurde in Großbritannien beinahe zensiert. Coward, der nicht nur Autor, sondern auch Schauspieler, Komponist und Sänger war, schrieb einen seiner populärsten Songs, „Some Day I’ll Find You“, für das Stück.

Patrick Marber: Closer

Clive Owen, Julia Roberts, Jude Law und Natalie Portman verwickeln sich in eine verhängnisvolle Ménage à quatre – wer an die Handlung von „Hautnah“ (im englischen Original „Closer“) denkt, hat automatisch den Hollywoodstreifen von Mike Nichols im Kopf. Dass der Film auf einem Theaterstück basiert, das in 1997 in London uraufgeführt wurde, ist im deutschsprachigen Raum kaum bekannt. Aufgrund der Figurenkonstellation wurde das Stück hin und wieder auch als moderne Neubearbeitung von „Private Lives“ betrachtet. Detail am Rande: Clive Owen spielte auch schon in der Londoner Uraufführung mit. In einer Rezension der Produktion am New Yorker Broadway war unter anderem Folgendes über das Stück zu lesen: „Marber erzählt seine Geschichte in kurzen, stakkatoartigen Szenen, in denen das Ungesagte ebenso laut ist wie das Gesagte. Es gibt häufige Pausen, aber nicht von der Sorte eines Harold Pinter – eher wie übersprungene Herzschläge.“ Herzschmerz mit gelegentlichen Arhythmien sozusagen.

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Den Link zur Aufzeichnung des Thalia Theaters von „Romeo und Julia“ finden Sie hier