Die neue Offenheit: Marie-Theres Arnbom über das Theatermuseum

Marie-Theres Arnbom möchte die Türen des Theatermuseums weit aufstoßen – um unter anderem den Austropop ins Palais Lobkowitz zu holen. Wir haben sie in ihrem Büro zum Gespräch getroffen.

Vor etwa 10 Jahren entzündete sich Marie-Theres Arnboms Faszination für das Theatermuseum. Die heutige Leiterin des Museums, das sich in unmittelbarer Sichtweite zur Staatsoper und zur Albertina befindet, kuratierte damals eine Operetten-Ausstellung. Ihre Faszination für das Theater begann jedoch schon sehr viel früher, wie Arnbom, die wir in ihrem Büro im wunderschönen Palais Lobkowitz treffen, erzählt. „Als Kinder haben wir uns in den 70er Jahren ‚Die verzauberten Brüder‘ im Burgtheater angeschaut. Meine Schwester hat sich die ganze Zeit über furchtbar gefürchtet und fast gar nichts vom Stück gesehen“, erinnert sie sich lachend. Heute kann man sie unter anderem mit Kleinkunst und kleinformatigen Abenden begeistern. Ihr Geheimtipp: Das Letzte Erfreuliche Operntheater – kurz Theater L.E.O. – in der Ungargasse im dritten Bezirk. 

Eröffnung mit Austropop

Sich nicht nur auf Sprechtheater und Oper zu beschränken ist Marie-Theres Arnbom auch für das Theatermuseum, das sie seit Januar 2022 leitet, ein großes Anliegen. Wie weit sie die Türen des Museums aufstoßen möchte, zeigt schon ihre Eröffnungsausstellung „Austropop. Von Mozart bis Falco“. „Meine Idee war, das Museum breiter aufzustellen. Für mich ist Theater nicht nur Sprechtheater, sondern jede Art der theatralischen Ausdrucksweise. Der englische Begriff ‚Performing Arts‘ entspricht in diesem Zusammenhang eher meiner Betrachtungsweise“, erklärt die promovierte Historikerin.

Um wieder auf ihre erste große Ausstellung im Theatermuseum zurückzukommen, fügt sie hinzu: „Der enggefasste Begriff ‚Austropop‘ stimmt nicht ganz, denn der Untertitel lautet ja ‚Von Mozart bis Falco‘. Das bedeutet, dass es im Grunde um populäre Musik und Kunst geht. Der erste Popkünstler war der allererste Papageno, Emanuel Schikaneder“, ergänzt sie. Die Ausstellung ist, wie sie nach einer kurzen Pause anmerkt, nicht chronologisch aufgebaut, sondern folgt dem Wunsch, Querverbindungen zwischen damals und heute herzustellen und aufzuzeigen. „Parallel dazu geht es auch um das Subversive und Kritische, das den Austropop immer stark geprägt hat, aber zum Beispiel auch bei Nestroy stets vorhanden war“, sagt Arnbom und fügt hinzu, dass der bekannte Austropop-Texter und Musiker Joesi Prokopetz Nestroy immer als sein großes Vorbild nennt.

Die neue Offenheit: Marie-Theres Arnbom über das Theatermuseum
Das Ausstellungssujet zur Eröffnungsausstellung. Foto: Theatermuseum © KHM-Museumsverband

Eine lebendige Sammlung

Die Öffnung des Theaterbegriffs soll sich allerdings nicht nur in der Eröffnungsausstellung widerspiegeln, sondern das Museum am Lobkowitzplatz fortan als solches prägen. „Theater ist auch TikTok“, bringt Marie-Theres Arnbom ihren Zugang lachend auf den Punkt. Mit ihrem Programm und ihrer neuen Ausrichtung möchte sie auch Menschen ansprechen, die nicht regelmäßig ins Theater gehen. In diesem Zusammenhang ginge es ihr, fügt sie hinzu, auch um Medienerweiterung – „um eine Öffnung hin zum Digitalen und zu interaktiven Formaten – um das Medium Theater auf eine breitere Basis zu stellen. Ein konkretes Beispiel möchte sie in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt lassen: „Es wird bei der Austropop-Ausstellung eine Karaoke-Station geben.“

Ob sich die Augenblickskunst Theater und das Museum als bewahrendes Medium nicht diametral gegenüberstünden? Marie-Theres Arnbom verneint und schickt auch gleich eine Erklärung hinterher: „Theater passiert, wie Sie richtig sagen, im Moment. Wenn dieser vorbei ist, ist er im Grunde schon historisch und museal. Wenn eine Produktion abgespielt ist, sind die Kostüme, die darin zu sehen waren, historisch und gehören eigentlich schon ins Museum. Das ist eine Gratwanderung zwischen Gegenwart und Vergangenheit, die sehr eng ist.“

„Am liebsten würde ich in die Welt hinausrufen: Kommt alle ins Theatermuseum, hier ist es wirklich toll!“

Marie-Theres Arnbom

Darüber hinaus ist die Direktorin, Autorin, Wissenschaftlerin und Gründerin des Kindermusikfestivals St. Gilgen davon überzeugt, dass das Museum durchaus an die Lebendigkeit eines Theaterstücks herankommt. „Wir haben die wichtigsten Bausteine dafür auch hier bei uns: Bühnenbild, Licht und Ton. Es ist mein Bestreben, bei jeder Ausstellung Bühnenbildner*innen zu engagieren, die die Ausstellungsstücke inszenieren. Ich sehe die Kurator*innen auch als Regisseur*innen“, so Arnbom. „Wir haben hier eine sehr lebendige Sammlung“, bringt sie ihre Definition in verkürzter Form auf den Punkt. Vier Veranstaltungsreihen mit „teilweise eher schrägen Sachen“, sollen ebenfalls dazu beitragen, das Theatermuseum zu einem lebendigen – und musikalischen – Ort zu machen.

Die neue Offenheit: Marie-Theres Arnbom über das Theatermuseum
Seit Januar 2022 leitet Marie-Theres Arnbom das Theatermuseum in Wien. Foto: ebs-pictures

Cheerleaderin für das Theatermuseum

Wie sie ihren Job jemandem erklären würde, dem die Arbeit des Theatermuseums bislang nicht geläufig war? Marie-Theres Arnboms Lachen verrät, dass gleich eine Antwort außerhalb der Norm folgen wird. Und so ist es auch: „Ich sehe mich ein bisschen als Cheerleaderin für das Theatermuseum.“ Sie setzt nach: „Ich möchte das Theatermuseum bekannter machen und auch einfach Freude an der Materie vermitteln. Am liebsten würde ich in die Welt hinausrufen: Kommt alle ins Theatermuseum, hier ist es wirklich toll!“

Zur Person: Marie-Theres Arnbom

Ist Historikerin, Autorin, Kuratorin, Kulturmanagerin sowie Gründerin des Kindermusikfestivals St. Gilgen. Zahlreiche Bücher und Beiträge zu zeit- und kulturhistorischen Themen. Mit Jänner 2022 übernahm sie die Direktion des Theatermuseums in Wien.

Weitere Infos zum Programm des Theatermuseums.

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