Ein Stück in einer Minute: La Cage aux Folles von Jerry Herman

Sechs Tony-Awards: Und das aus gutem Grund. La Cage aux Folles zählt bis heute zu den beliebtesten Musicals der Welt. Wir haben kurz zusammengefasst, worum es geht.

Inhalt

Die Drag-Queen Zaza – eigentlich Albin – ist der Star eines Nachtclubs im südfranzösischen St. Tropez. Ihr Partner Georges betreibt das Lokal, das den Namen „ La Cage aux Folles“ trägt. Dieser hat aus einer früheren Beziehung einen Sohn, Jean-Michel.  Als der junge Mann von seiner neuen Verlobten berichtet, stellen Albin und George mit Schrecken fest, dass es sich bei deren Vater um Eduard Dindon handelt. Denn dieser ist als ultrakonservativer Vorsitzender der „Partei für Tradition, Familie und Moral“ bekannt. Dass Jean-Michel Annes Eltern unbedingt seine eigene Familie vorstellen möchte, macht die Sache für das homosexuelle Paar nicht einfacher. So entfernen sie rasch alles zweideutig Eindeutige aus der Wohnung und schaffen geradezu einen Ort von mönchischer Schlichtheit.

Doch welche Mutter sollen die Dindons kennen lernen? Jean-Michel möchte seine leibliche, Sybil, kommen lassen. Albin ist dadurch zutiefst kränkt. Nur mit Mühe trainiert er maskuline Bewegungen, um zumindest als Onkel vorgestellt zu werden. Als Sybil spontan absagt, schlüpft er in die Mutterrolle….

Werkgeschichte

Jerry Herman und Harvey Fierstein schrieben „La Cage aux Folles“ auf Basis der gleichnamigen Komödie von Jean Poiret und des Films von 1978. Herman war für Musik und Gesangstexte zuständig, Fierstein für das Buch. „La Cage aux Folles“ spielt auf amüsante Weise mit der Gegenüberstellung einer puritanischen Gesellschaft mit dem betont Andersartigen im „Narrenkäfig“, das hinter gespielter Normalität versteckt werden soll – was aber letztlich scheitert.

Aufführungsgeschichte

Die Musicalversion kam am 21.8.1983 am Broadway heraus und brachte dem Werk sechs Tony-Awards ein, darunter die Auszeichnung für das „Beste Musical“. Die deutsche Erstaufführung war am 19.10.1985 im Theater des Westens in Berlin, sogar noch vor der West-End-Premiere im Mai 1986. In Österreich spielte man das Stück erstmals 1989 beim Musical Sommer Amstetten, Regie führte Heinz Ehrenfreund. Er war auch mitverantwortlich für die Version an der Volksoper Wien, die mit Karlheinz Hackl in der Titelrolle und Frank Hoffmann als George zur Kultinszenierung wurde.

Prominente Interpreten

Jerry Herman, der auch „Hello, Dolly!“ komponiert hatte, schuf mit deed „I am what I am“ einen Song, in dem ein homosexueller Mann Akzeptanz für das verlangt, was er ist. Rasch wurde der Song zur „Hymne der Gay Community“. Gloria Gaynor machte „I am what I am“ auch unabhängig vom Musical zum Hit.

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