Ein Stück in einer Minute: Der Kirschgarten von Anton Tschechow

Tschechows letztes Theaterstück vereint Tragik und Humor und hat sich als beliebtes Schauspiel etabliert. Worum es geht, ist schnell erklärt.

Inhalt

Nach dem Tod ihres Mannes und ihres kleinen Sohnes flüchtet die Gutsbesitzerin Andrejewna Ranjewskaja mit ihrem Geliebten nach Paris. Nach Jahren wird sie von ihrer Tochter Anja wieder auf das Gut zurückgeholt, das von einem großen Kirschgarten umgeben ist. Das Anwesen ist durch die Misswirtschaft der Besitzerin und ihres Bruders hoch verschuldet und soll versteigert werden. Der Kaufmann Lopachin bietet an, das Gut zu kaufen, um Datschen (Ferienhäuser) darauf zu bauen und sie zu vermieten. Dafür müsste allerdings der Kirschgarten abgeholzt werden. Doch die Ranjewskaja und ihr Bruder schwelgen, vor allem aufgrund des Gartens, in Erinnerungen an vergangene Zeiten und können dem Angebot nicht zustimmen. Bei der Versteigerung des Anwesens fällt dasselbe schließlich an Lopachin und die Familie geht wieder auseinander. Allein der treue Diener Firs bleibt als Symbol für die alte Zeit im Haus zurück.

Werkgeschichte

Der Kirschgarten ist eine vieraktige tragische und gesellschaftskritische Komödie. Sie entstand 1903 und ist Tschechows letztes Theaterstück, bevor er an Tuberkulose erkrankt und verstirbt. Mit dem Werk zeigt er die Unvereinbarkeit von alter und neuer Zeit auf und dies auf sowohl tragische als auch humorvolle Art.

Aufführungsgeschichte

1904 fand die Uraufführung unter der Regie von Konstantin Stanislawski im Künstlertheater in Moskau statt. Die deutschsprachige Erstaufführung folgte 1917 in München unter der Regie von Lion Feuchtwanger. Zwei Jahre später wurde das Stück auch in Berlin gespielt. Nach dem Übersetzer von Tschechows Werken, Peter Urban, sei das Stück in Deutschland lange schwierig zu spielen gewesen, angeblich aufgrund der unzureichenden Übersetzungen der Zeit. Erst in den 60er- und 70er-Jahren hätte „Der Kirschgarten“ in Deutschland richtig Erfolg gehabt. In England fand die erste Aufführung erst 1925 statt. In Österreich wurde das Stück etwa in der Josefstadt unter der Regie von Amélie Niermeyer inszeniert.

Das Theaterstück wurde zweimal, 1966 und 1999 verfilmt, außerdem bildet die Handlung die Grundlage für den Film „Die Plantage“ (2006). In einem Roman namens „Jöklaleikhúsið“ sowie im Film „Henry und Julie“ spielt das Stück eine besondere Rolle und es wird Bezug darauf genommen.

Prominente Interpreten

„Der Kirschgarten“ kann auf hochkarätige Besetzungen zurückblicken. Immer wieder haben sich namhafte Schauspielerinnen und Schauspieler an den Produktionen beteiligt. In der Inszenierung des Theaters in der Josefstadt übernimmt kein anderer als Otto Schenk die Rolle des Firs‘. Auch Peter Simonischek war als Leonid bereits 1995 in Tschechows Stück zu sehen. 2005 wirken Elisabeth Orth, Cornelius Obonya und Nicholaus Ofczarek der Inszenierung von Andrea Breth mit. Weitere bekannte Namen wie Brigitte Hobmeier und Maria Hofstätter haben Tschechows Stück bereits auf der Bühne präsentiert.

Nachlesen: Der Kirschgarten https://www.buehne-magazin.com/a/josefstadt-schauspielerin-alma-hasun-im-portraet/