Der Teufel auf Erden in der Wiener Volksoper: In der Hölle geht es rund

Operette am Nerv der Zeit: Franz von Suppés „Der Teufel auf Erden“ wurde 1878 in Wien uraufgeführt. Für die Premiere am Mittwoch in der Wiener Volksoper wurde der Stoff mit Anspielungen auf laufende U-Ausschüsse aktualisiert. Und siehe da: Innenpolitik kann auch unterhalten.

von Theresa Steininger, 17. Mai 2021

Der Teufel auf Erden in der Wiener Volksoper: In der Hölle geht es rund
Christian Graf (Rupert) und Robert Meyer (Ruprecht) sind in der Wiener Volksoper in „Der Teufel auf Erden" zu erleben. Foto: Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Wo – und in wem – steckt der Teufel? Dass er letztlich in jeden von uns gefahren ist, legt Franz von Suppés gesellschaftskritische Operette „Der Teufel auf Erden“ nahe. Mit ihr startet die Volksoper ab 19. Mai nach langer Schließzeit wieder in den Betrieb. Es ist ein kaum bekanntes Stück, das man hier ausgewählt hat. Selbst jene wenigen, denen es geläufig ist, werden es nicht eins zu eins wieder erkennen. Denn für die Volksopernproduktion hat Alexander Kuchinka das Werk, das zwischen Suppés Erfolgen „Fatinitza“ und „Boccaccio“ entstand, stark bearbeitet.

Zahlreiche Figuren wurden gestrichen oder ergänzt, vor allem aber die Handlung gestrafft. Während im Original noch Minister auf die Erde reisten, ist es nun einerseits der Teufel selbst, der hierherkommt, andererseits dessen Knecht, der ihn sucht.

Großer Andrang in der Hölle

Denn in der Hölle geht es rund. Der Höllenpförtner weiß nicht mehr, wen er noch einlassen soll, so groß ist der Andrang. Hier soll der Chef höchstpersönlich entscheiden. Gleichzeitig verlangen die Bewohner der Unterwelt nach einer Konstitution, was auf die parlamentarischen Bestrebungen der Zeit der Uraufführung, die 1878 im Carltheater in Wien stattfand, anspielte.

Knecht Ruprecht, der den Teufel widerwillig sucht, findet seinen Chef schließlich in einem Nonnenkloster, in dem vor allem die heuchlerische Stiftsvorsteherin Aglaja scheint, als sei der Satan in sie geschlüpft, in einer Kaserne im 19. Jahrhundert und in einer Tanzschule von heute, in der man sich auf den Opernball vorbereitet. Volksopern-Direktor Robert Meyer spielt den Höllenknecht, der mit seinem Hund Zerberl und seinem ungleichen Reisekumpanen, einem Engel außer Dienst namens Rupert, auf der Suche ist. Weitere Darsteller schlüpfen in mehrere Rollen: Dazu zählen Theresa Dax, Johanna Arrouas, David Sitka und Carsten Süß. Und jene Personen, in die der Teufel gefahren sein könnte, verkörpert stets Marco Di Sapia. Außerdem wirkt Verena Scheitz als Ballorganisatorin mit, die stark an Lotte Tobisch erinnert. Michael Havlicek spielt den Höllen- und Klosterpförtner, sowie den Vizeleutnant und Tanzschulleiter. Musikalisch geleitet wird der satirische Spaß von Alfred Eschwé.

Anspielungen auf laufende U-Ausschüsse

Kuchinka und auch Regisseur Hinrich Horstkotte haben die im Original teils langatmige und nicht nur durch Seitenhiebe auf damalige Aktualitäten heute etwas verwirrende Handlung runderneuert, stark gekürzt und adaptiert. Schon 2019 kam ihre Version in Chemnitz heraus, nun wurde sie abermals aktualisiert. Vor allem in den Liedtexten finden sich zahlreiche Anspielungen auf laufende U-Ausschüsse, Corona, Casinos und Co. Auch die Bigotterie der katholischen Kirche, politische Machenschaften generell und das Thema Korruption werden auf die Schaufel genommen. Eine gesellschaftssatirische Zeitreise ist vorprogrammiert.

Gerade in das End-Couplet wird Ruprecht-Darsteller Robert Meyer zahlreiche Anspielungen einbauen, wie er beschreibt. Man müsse es ja aufgreifen, wenn sich jemand im U-Ausschuss an nichts erinnern kann, sagt er im BÜHNE-Interview: „An Corona, Ibiza, Casino und Co kann man nicht vorbei.“

Theresa Dax (Amanda/Amalia/Amira), Marco Di Sapia (Mutter Aglaja/Oberst Donnersbach) und Johanna Arrouas (Isabella/Isolde/Iska) auf der Bühne der Wiener Volksoper in einer Operette von Franz von Suppé. Foto: Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Je frischer, desto besser

Die Pandemie sei „eigentlich derzeit der Teufel, der auf die Erde gekommen ist. Ich werde trotzdem nicht als Virus auftreten.“ Aus seinen zahlreichen Auftritten in Nestroy-Stücken in seiner Zeit am Burgtheater und bei den Festspielen Reichenau hat er reichlich Couplet-Erfahrung, die ihm hier zugutekomme. „Früher habe ich die aktuellen Strophen oft erst am Nachmittag vor der Aufführung geschrieben. Meine Erfahrung ist: je frischer, desto besser kommt es an.“ Für „Der Teufel auf Erden“ habe er einerseits selbst Strophen verfasst, sich andererseits auch von „begabten Coupletschreibern“ helfen lassen.

Entdeckerlust in der Volksoper

Gemeinsam wolle man die Brisanz, welche die Operette schon bei ihrer Uraufführung hatte, auf heutige Verhältnisse umlegen. „Aber natürlich dreht sich nicht das ganze Stück um Aktuelles, es soll ein kurzweiliger, lustvoller Operettenabend werden“, so Meyer. Suppé habe er noch nie gespielt. Es mache ihm aber „Freude, etwas Neues zu entdecken.“ Dieselbe Entdeckerlust wünscht er sich auch vom Publikum. „Allein der Titel gibt ja schon viel her, er macht neugierig. Nach der langen Pause werden die Leute ausgehungert nach Theater sein, wie das schon im September der Fall war, und gerne kommen. Vielleicht ja gerade, um zu sehen, was wir aus einem Stück machen, das keiner kennt.“

Der Teufel auf Erden: Premiere am 19. Mai

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