Slávka Zámečníková: Traumstimme im Traumhaus

Slávka Zámečníková ist gekommen, um zu bleiben. Erst seit Herbst im Opernensemble, singt sie jetzt die Poppea. Ein Treffen mit einer, die bald ganz groß wird.

von Theresa Steininger, 5. Mai 2021

Slávka Zámečníková: Traumstimme im Traumhaus
Slávka Zámečníková hat das Gefühl, dass sie länger an der Wiener Staatsoper bleiben wird. Foto: Peter Mayr

Sie sprühte nur so vor Temperament, zeigte Spielwitz ebenso wie herrliche Spitzen­töne, war neckisch und für sich einnehmend. Als Slávka Zámečníková im Herbst als Norina in einer Repertoirevorstellung von „Don Pasquale“ ihr Debüt an der Wiener Staatsoper gab, wusste man sofort: Diese junge Sängerin hat eine große Zukunft vor sich. Was Wunder, dass man im Haus am Ring gleich einiges mit der slowakischen Sopra­nistin geplant hat. Zuletzt sah das Publikum sie als Frasquita in der Übertragung der „Carmen“ und als Gesangssolistin im Mahler­-Abend des Staatsballetts; zum Zeitpunkt des Interviews probte sie als Blumen­mädchen „Parsifal“. Ursprünglich ­waren auch Musetta und Gretel für ihre erste Saison vorgesehen. Und als Höhepunkt folgt nun die Titel­rolle in Claudio Monte­verdis letzter Oper, „L’incoronazione di Poppea“.

„Es ist schon ein Traum für mich, überhaupt an der Wiener Staatsoper zu singen – und dann auch noch lauter Partien, die für meine Stimme geradezu ideal sind“, sagt Zámečníková im Interview. Sie strahlt dabei Selbstbewusstsein ebenso aus wie Bescheidenheit. Niemals hätte sie früher gewagt, darüber nachzudenken, einmal hier am Haus zu singen, geschweige denn in Hauptrollen.

In ihrer Familie gibt es keine Musiker, doch sie selbst sang von klein auf gerne. Nebenbei, nie mit dem Gedanken, es zum Beruf zu machen. Vielmehr schwebte ihr vor, Ärztin zu werden. Bis sie mit 16 Jahren ihre erste Opernaufführung sah. „Das war der Moment, in dem ich verstanden habe, wie schön es sein kann, etwas dar­zustellen und dazu Musik zu machen. Ich war an­getan davon, wie man sich einerseits als Sänger in alles verwandeln und andererseits ein Pu­blikum mit Musik be­geistern kann. Plötzlich wusste ich: So wie die Mitwirkenden an diesem Abend mich innerlich berührten, wollte ich ebenso einem Publikum große Gefühle vermitteln.“

Große Gefühle vermitteln

Einer Aus­bildung am Konservatorium in Bratislava und an der Hanns-Eisler-Hochschule in Berlin folgten zahlreiche Wettbewerbe. Auf dem Moniuszko-Wett­bewerb in Warschau hörte sie der Casting-Direktor der Wiener Staatsoper, Robert Körner, und lud sie zum Vorsingen. „Bogdan Roščić ging während des Castings im Zuschauerraum herum, und ich wurde sehr nervös, weil ich dachte, er hört mich nicht. Dabei war das ein sehr gutes Zeichen. Man sagte mir gleich, ich habe sehr gefallen und man habe in den nächsten zwei Jahren zahlreiche Rollen mit mir vor.“

Die vergangenen Monate mit eingeschränkten Proben und Vorstellungen hat Zámečníková genutzt, um sich inten­siv mit den Aufgaben zu beschäftigen, die ihr am Haus anvertraut werden. „Ich hatte einige der Rollen noch nie gesungen. Ich bin eine Perfektionistin und harte Arbeiterin – ich möchte mich auf jede Rolle ganz genau vorbereiten und nehme die Verantwortung sehr ernst.“

Mich fasziniert die Leidenschaft, die Poppea in sich trägt. Dafür tue ich mir dort schwer, wo sie kaltblütig agiert.

Slávka Zámečníková

Konzentration auf Poppea

Durch den lockdownbedingten Wegfall mancher Repertoirevorstellung konnte sie sich auch noch besser auf die Vorbereitungen für „Poppea“ konzentrieren. In der In­sze­nierung von Jan Lauwers, die 2018 bei den Salzburger Festspielen zu sehen war, wird die Oper von Claudio Monteverdi zur Premiere kommen. Musikalischer Leiter ist ­Pablo Heras-Casado. Kate Lindsey singt Nerone, der sich von Poppea dazu verführen lässt, seine Gemahlin Ottavia zu ver­lassen und seine Mätresse Poppea zur Kaiserin zu krönen. „Ich studiere derzeit die Musik sehr genau, um herauszufinden, was Poppea wirklich empfindet. Ist es erstes Feuer, tiefe Liebe oder nur der Wunsch, Kaiserin zu werden?“, beschreibt Zámečníková. „Wenn man sich ansieht, wie kaltblütig und schnell sie dafür ihren eigenen Geliebten Ottone abserviert, kommen mir Zweifel an der großen Zuneigung zu Nerone.“

Obwohl ihr selbst Geltungsdrang ­völlig fremd sei, versuche sie, Poppea zumindest zum Teil zu verstehen. „Auch wenn ich kein Mensch bin, der um jeden Preis viel bedeuten will, fasziniert mich doch die Leidenschaft, die sie in sich trägt. Dafür tue ich mir dort schwer, wo sie kaltblütig agiert.“

Freude an Weiterentwicklung

Generell wirkt Zámečníková wie jemand, der sehr selbstkritisch ist – was sie als großen Ansporn sieht. „Wenn man nicht zufrieden ist, wird man schneller besser“, sagt sie. Auch positive Kritiken, von denen es nach ihrem Auftritt als Norina in „Don Pas­quale“ einige gab, seien ihr nicht ausschließlich recht. „Es ist schön, wenn man gefällt, aber motivierender ist es, zu erkennen, was man noch verbessern kann.“

Bei den zahlreichen Wettbewerben, an denen sie schon teil­genommen hat, ging es ihr „nicht ums Gewinnen, sondern darum, unter Stress auszuprobieren, für welche Aufgaben ich geeignet wäre“. Und im Sinne von „Man lernt nie aus“ bereitet sich Zámečníková derzeit außerdem noch auf ihr Konzertfach­examen vor. Der Unterricht mit ihrer langjährigen Lehrerin Anna Samuil, der eigentlich in Berlin stattfinden sollte, wird aktuell per Skype ­abgehalten. Praktisch für die Vielbeschäftigte.

Als „Belohnung für viel harte Arbeit“ sieht sie nun ihr Engagement an der Staatsoper. Und sie hofft, in Zukunft auch Lieblings­rollen wie Pamina, Susanna, Adina oder ­Fiordiligi hier zu singen. „Solange ich hier in Wien gute Rollen bekomme, die zu meiner Entwicklung passen, habe ich keinen Grund, das Engagement zu hinter­fragen – und ich habe das Gefühl, dass ich länger hierbleiben werde“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Foto: Peter Mayr

Zur Person: Slávka Zámečníková

Die Sopranistin ist seit Herbst Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper. Zuvor war sie im Opernstudio der Staatsoper Berlin und u. a. als Sophie in „Werther“ in Prag und Bratislava zu sehen. In Wien sang sie zuletzt in „Carmen“ und „Parsifal“.

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