Ein Stück in einer Minute: Carmen von Georges Bizet

Georges Bizets Meisterwerk „Carmen“ brach mit Traditionen und rückte erstmals in der Geschichte der Oper Menschen am Rande der Gesellschaft ins Zentrum der Handlung. An der Wiener Staatsoper ist die Inszenierung von Calixto Bieito bis zum Ende der Spielzeit noch drei Mal zu sehen.

von Redaktion, 31. Mai 2021

Ein Stück in einer Minute: Carmen von Georges Bizet
In der Titelrolle der Carmen war bei der Premiere im Februar an der Wiener Staatsoper Anita Rachvelishvili zu hören (am Autodach). Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

In vier Akten verhandelt Georges Bizet das Schicksal seiner Titelheldin und ihrer ebenfalls nicht auf die Butterseite des Lebens gefallenen Mitstreiterinnen und Gefährten. In der Welt der Oper kam diese realistische Milieustudie – ein Vorläufer des Verismo – einer Revolution gleich. Ein Drama von ungeheurer Wucht, dessen schicksalshafte Tragik starke Emotionen auslöst. Die Musik Georges Bizets entfaltet dazu eine beinahe hypnotische Kraft – „Carmen“ ist bis heute eine der meistaufgeführten Opern der Welt.

Inhalt: Carmen

Zigeunerinnen, Schmuggler, Fabriksarbeiterinnen und Soldaten bilden in erster Linie das Personal des im spanischen Sevilla angesiedelten Stücks. Don José, eigentlich Micaëla, einer im Haus seiner Mutter lebenden Waise zugedacht, kann der Erotik der unangepassten, selbstbewussten, freiheitsliebenden Carmen nicht widerstehen, die aber auch von Leutnant Zuniga begehrt wird. Als Carmen in der Zigarettenfabrik eine Frau mit dem Messer verletzt, soll Don José sie ins Gefängnis bringen.

Carmen überredet ihn, sie fliehen zu lassen und verspricht ihm dafür eine leidenschaftliche Nacht. Er folgt ihr in die Illegalität, beide leben in einer Schmugglerbande, doch Carmen wendet sich immer mehr von dem rasend Eifersüchtigen ab und dem Stierkämpfer Escamillo zu. Was für Leidenschaft gehalten wird, ist oft Gewalt – Affären werden mit Beziehungen verwechselt und Liebe mit Besitz. Im tragischen Finale ersticht Don José die selbstbestimmt leben wollende Carmen, während Escamillo in der Arena einen Stier erlegt.

Aufführungsgeschichte

Die Oper „Carmen“ basiert auf der gleichnamigen Novelle des Schriftstellers Prosper Mérimèe, der sie allerdings als moralisch verkommen darstellte. Georges Bizet und seine Librettisten zeichnen sie hingegen als faszinierende Frau. Zu viel des Unkonventionellen für das Publikum der Premiere, die am 3. März 1875 in der Opéra-Comique stattfand und wenig begeistert aufgenommen wurde.

Der internationale Erfolg begann aber schon wenige Monate später in Wien. Der Verlag ließ für alle internationalen Bühnen eine neue Fassung mit Ballett und Rezitativen von Ernest Guiraud erstellen – und diese Version wurde zum bis heute andauernden Welterfolg. Die Arie „L’amour est un oiseau rebelle“ ist beinahe volksliedhaft auch Nicht-Opernliebhabern ein sofort wiedererkennbares Motiv.

Verfilmungen

Das dramatische Potenzial des Stoffs eignet sich hervorragend für die Kinoleinwand. Eine der ersten Verfilmungen der Oper datiert aus dem Jahr 1918 und stammt von Regisseur Ernst Lubitsch.

Der spanische Regisseur Carlos Saura verschmilzt in seinem Film aus dem Jahr 1983 die Handlung der Oper mit der Figur des Choreographen Antonio, der eine Aufführung von „Carmen“ vorbereitet. Mit Nominierungen für Oscar, Golden Globe und César die erfolgreichste Adaption.

Eine der interessantesten Versionen schuf Regisseur Mark Dornford-May mit dem in Südafrika angesiedelten Film „U-Carmen“ aus dem Jahr 2004. Er verlegte die Handlung in einen Township, ließ die Darsteller in der Landessprache isiXhosa singen / sprechen und ergänzte Bizets Musik durch Xhosa-Gesänge. Dafür gab es bei den Filmfestspielen in Berlin den Goldenen Bären.

Audio

Zahlreiche Einspielungen – u.a. mit Maria Callas, Grace Bumbry, Leontyne Price, Agnes Baltsa, Elina Garanča und Angela Gheorghiu den Titelpartien – mehrten zudem den Ruhm von „Carmen“ in den letzten Jahrzehnten.

Aktuelle Termine von Carmen an der Wiener Staatsoper

Zu den Tickets

Weiterlesen

Carmen: 14 Fragen an Anita Rachvelishvili und Erwin Schrott