Dominik Hees spielt den Mick Jagger der Katzen

Rebellisch. Sexy. Maskulin. Schwierig im Charakter und ambivalent in seinem Handeln. Der Rum Tum Tugger im Musical „Cats“ ist der Rockstar unter den Samtpfoten. Eine Paraderolle für Musicaldarsteller Dominik Hees.

von Klaus Peter Vollmann, 8. März 2021

Dominik Hees spielt den Mick Jagger der Katzen
„Mein Beruf erfüllt mich immer noch sehr. Das gleichzeitige Singen, Spielen und Tanzen macht mich glücklich.“ Foto: Jan Frankl

„Ich flirte für mein Leben gern.“ Man glaubt es Dominik Hees aufs Wort. „Am allerliebsten natürlich mit meiner Frau“, so der schelmische Nachsatz des momentan begehrtesten Bühnen-Katers. Wobei die erotisch konnotierte Annäherung in den letzten Jahren schon ziemlich nachgelassen habe. „Umso mehr setze ich meine gesamte Flirtpower auf der Bühne ein.“

Der 32-jährige Kölner mit langer Theater-­Vita – von der deutschsprachigen Erstaufführung des Musicals „Frühlings Erwachen“ über „Cabaret“ und „The Rocky Horror Show“ bis hin zu „Das Wunder von Bern“ und Cyndi Laupers Kassenschlager „Kinky Boots“ hat er in seinem Parade­fach keinen Glanzpunkt ausgelassen – ­verkörpert aktuell im Musical „Cats“ den attraktiven Rum Tum Tugger. Wobei „aktuell“ ein dehnbarer Begriff ist, der in die Zeit nach dem Lockdown weist. 

Andrew Lloyd Webber hat in der Charakterisierung von Rum Tum Tugger an­geblich an Mick Jagger gedacht. Dominik Hees fügt dem noch ein paar Star-Facetten hinzu. „Ich mische Mick Jagger mit Michael Jackson, Freddie Mercury, Stevie Wonder und John Legend.“ Heraus kommt eine Figur mit tausend Facetten. „Er ist jedenfalls nicht in eine Schublade zu stecken und kann sehr widersprüchlich sein, in einem Moment verschmust, im nächsten ein Biest. Er tut das, was man nicht von ihm erwartet, und seine Stimmung kann sich mit einem Wimpernschlag ändern. Außerdem flirtet er mit Jung und Alt, Männlein und Weiblein, ist Anführer und Einzelgänger zugleich. Er ist egoistisch und aufopfernd, ein sexy Clown, dem der Schalk im Nacken sitzt.“

Jedes Kostümdetail muss sitzen. Auch die Frisur in Form
einer prächtigen Perücke. Katzenohren inklusive. Foto: Stefanie J. Steindl

Auch auf High Heels gut in Form

Eine physisch präsente Persönlichkeit, für die man auch körperlich fit sein muss. „Wir haben täglich Trainings mit dem gesamten Ensemble, in denen wir unseren Körper spezifisch auf die Show vorbereiten. Außerdem fahre ich gerne Rennrad und bin generell viel an der frischen Luft.“ Während des Lockdowns wurden den Darstellern sogar Workout-Einheiten via Zoom angeboten. Digitales kollektives Schwitzen sozusagen. Körperlich sei die Show auf Samtpfoten sogar herausfordernder als das Musical „Kinky Boots“, mit dem Dominik Hees am Operettenhaus Hamburg große Erfolge feierte. Und dabei geht es immerhin um einen Schuhproduzenten, der sich auf Stiefel und hochhackige Schuhe für Drag-Queens und Cross-Dresser spezialisiert hat – gesanglich und schauspielerisch eine Herausforderung. „Das Laufen auf High Heels war im Gegensatz dazu eine leichte Aufgabe.“ 

Katzenliebe sei übrigens gar kein Muss, um bei „Cats“ dabei sein zu dürfen, meint Dominik Hees schmunzelnd. „Wichtig ist jedoch, dass man die Lust und das Interesse daran hat, Katzen zu beobachten und zu studieren.“ Ein wichtiger Teil der Proben seien Improvisationsspiele. „Man schnuppert und fühlt und rollt sich gemeinsam auf dem Boden. Dann üben wir, wie Katzen sitzen, schauen, hören, riechen, schmecken, sich fortbewegen.“ Klingt lustig, ist es auch, dient aber vor allem der Charakterfindung. 

Als Rum Tum Tugger ist Dominik Hees einer der Publikumslieblinge des „Cats“-Ensembles. Foto: Deen van Meer

Von 100 auf 0

Wie alle Kulturschaffenden wartet auch das „Cats“-Team darauf, wieder auftreten zu dürfen. Wie ist es, nach all den Jahren des permanenten Schaffens plötzlich in den Stillstand gezwungen zu werden? „Danke der Nachfrage. Mir geht es gut. Unsere Tochter Juni Ida erblickte im November 2020 das Licht der Welt. Meine Frau und ich sind überglücklich, und der plötz­liche Stillstand gibt uns die Möglichkeit, die gemeinsame Zeit zu dritt in vollen ­Zügen zu genießen. Wir nutzen den Lockdown zum Kuscheln, Essen, Spielen und Windel­wechseln …“ 

Er habe das Glück, einen grandiosen Arbeitgeber zu haben, und sei durch die Kurzarbeitsregelung auch finanziell ab­gesichert. „Unter den Einschränkungen des öffentlichen Lebens und den Kontakt­beschränkungen leide ich jedoch auch zunehmend. Ich wünsche mir wirklich nichts mehr, als meine Freunde, Freundinnen und die Familie wieder treffen und umarmen zu können!“ Er hoffe auf einen „normalen“ Sommer. Wir hoffen mit ihm. 

Foto: Jan Frankl

Zur Person: Dominik Hees

Der gebürtige Kölner zählt zu den meistbeschäftigten Musicaldarstellern im deutschsprachigen Raum. Zu seinen größten Erfolgen zählen „Das Wunder von Bern“, „Cabaret“, „Kinky Boots“ – und „Cats“. Er ist mit Milica Jovanović verheiratet und Vater einer Tochter. 

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Jede Woche veröffentlichen die Vereinigten Bühnen Wien unter #WeAreMusical einen Musical-Talk