Fünf junge Schauspielerinnen mit Star-Potenzial

Sie überzeugen auf großen Bühnen, beeindrucken im Kino und glänzen im TV: Fünf Schauspielerinnen unter 30, von denen wir noch viel hören werden.

von Klaus Peter Vollmann, 15. Februar 2021

Fünf junge Schauspielerinnen mit Star-Potenzial
Es sind die extremen Gefühle, die Hanna Hilsdorf an ihrer Arbeit reizen. Seit Ende letzten Jahres kann sie diese am Burgtheater ausleben. Katarina Šoškić

Hanna Hilsdorf (28, Burgtheater)

Die in Berlin geborene Schauspielerin wehte Ende letzten Jahres förmlich auf die Bühne des Wiener Burgtheaters: Als Gretchen Globuschek in George Taboris legendärer Farce „Mein Kampf“ gab sie die Göttin in der Kindfrau.

Davor studierte sie Schauspiel an der Universität der Künste in Berlin und spielte noch währenddessen am Deutschen Theater Berlin sowie an der Volksbühne – in mehreren Inszenierungen von Frank Castorf. Seit 2017 kann man sie auch im Kino und TV erleben, ihr bislang größter Erfolg war die Rolle der Edda Möller in Fatih Akins Spielfilm „Aus dem Nichts“, der u.a. mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde. So weit. So gut.

Extreme Gefühle sind es, die sie in ihrer Arbeit reizen. Auf der Leinwand wie am Theater. „Das kann befreiend sein. Diese Gefühle zu spüren, die nicht zum Alltag gehören. Es gibt so viele Gefühle, die vergessen sind, die nicht mehr gefühlt werden. Zum Beispiel, seit die praktizierte christliche Religion nicht mehr zu unserem Alltag gehört. Im Theater gibt es noch das Heilige, die Hölle, das übermenschlich Große“, erklärt Hanna Hilsdorf im BÜHNE-Gespräch.

Das Burgtheater, sagt sie, sei für sie nie ein Sehnsuchtsort gewesen, sondern immer ein Mythos. „Wir werden sehen, ob sich der Ort nun entmystifiziert.“ Wien hingegen war beides nicht. Schon gar nicht Liebe auf den ersten Blick. „Ich war, ehrlich gesagt, eher abgeschreckt, im Zentrum ist es so pompös, aber auch steril. Jetzt bin ich oft mit meinem Fahrrad unterwegs und entdecke sehr viel, was mir gefällt.“

Und mit dem Schauspiel sei es im Grunde genauso gewesen. „Nur so kann man etwas über sich herausfinden: wenn man sich den inneren Widerständen aussetzt.“

Die Absolventin des Max-Reinhardt-Seminars feierte 2019 ihr Josefstadt-Debüt. Ohne Corona, wäre Marlene Hauser momentan in fünf Produktionen präsent. Moritz Schell

Marlene Hauser (25, Theater in der Josefstadt)

Die im oberösterreichischen Freistadt geborene Schauspielerin absolvierte ihre Ausbildung am Max Reinhardt Seminar und spielte u.a. am Landestheater Linz und dem Wiener Volkstheater.

Aktuell ist sie am Theater in der Josefstadt engagiert, wo sie 2019 in Heimito von Doderers „Die Strudlhofstiege“ ihr Debüt feierte. Wäre Corona nicht über die Welt gekommen, könnte man ihr großes Talent aktuell in fünf Josefstadt-Produktionen – darunter „Das Konzert“ von Hermann Bahr, Agatha Christies „Mord im Orientexpress“ und „Die Stadt der Blinden“ von Thomas Jonigk (nach José Saramago) – bühnennah erleben.

Marlene Hauser wirkte auch in mehreren Kinoproduktionen mit: 2017 im Beitrag von Veronika Franz und Severin Fiala zur internationalen Horrorfilm-Anthologie „The Field Guide to Evil“. 2019 im sozialkritischen Film „3 Freunde 2 Feinde“ von Regisseur Sebastian Brauneis, der beim Nachwuchsfilmfestival Max Ophüls Preis 2021 in der Kategorie Spielfilm nominiert war. Und ebenfalls 2019 in der Landkrimi-Reihe des ORF in Wolfgang Murnbergers „Steirerwut“. Demnächst mehr.

Noch vor ihrem Schauspielstudium spielte Marie-Luise Stockinger am Landestheater Linz. Seit 2015 gehört sie zum Ensemble des Burgtheaters. Katarina Šoškić

Marie-Luise Stockinger (28, Burgtheater)

Erst Schauspielschule, dann Bühne. So lautet üblicherweise die Reihenfolge. Nicht so bei ihr. Marie-Luise Stockinger debütierte 2010 in Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ am Landestheater Linz und absolvierte danach eine Ausbildung am Wiener Max Reinhardt Seminar, die sie 2015 abschloss.

Noch im selben Jahr wurde sie Ensemblemitglied am Burgtheater, wo sie seither in zahlreichen Stücken – darunter „Drei Schwestern“, „Hexenjagd“, „Vor Sonnenaufgang“ und „Don Karlos“ – zu sehen war. In Lucy Kirkwoods 1759 angesiedeltem Stück „Das Himmelszelt“, das Ende September 2020 Premiere hatte, war sie Teil eines fast ausschließlich weiblichen Ensembles.

Sie spielte Sally, körperliches Gemeingut in einer brutalen Männerwelt, die das System angreift, indem sie die Tochter eines der einflussreichsten Männer des perfiden Gefüges tötet. „Der Mord an dem Mädchen ist ein Attentat auf das bestehende System, ein Akt der Emanzipation, ein Befreiungsschlag aus der Unterdrückung“, so Marie-Luise Stockinger im BÜHNE-Interview. Aktueller feministischer Stoff, verfasst von einer der erfolgreichsten jungen Autorinnen Großbritanniens.

Trotz ihres jugendlichen Alters für Marie-Luise Stockinger – 2017 in der Kategorie „Bester Nachwuchs weiblich“ für den Nestroy-Theaterpreis nominiert und 2018 in ebendieser Kategorie mit der Romy ausgezeichnet – der Start in ihre bereits sechste Burgtheater-Saison. „An Erfahrungen fühle ich mich nicht mehr so jung. Am Anfang war ich überzeugt, ich muss mir eine Rüstung zulegen, cool und nicht verletzbar sein. Das ist aber das Letzte, was mich am Theater interessiert.“ Stattdessen: „Berührbar bleiben. Und unruhig.“

Seit Jahren in TV und Kino präsent, holte Intendant Kay Voges Lavinia Nowak 2020 als Ensemblemitglied an das Wiener Volkstheater. Alissa Lüpke

Lavinia Nowak (26, Volkstheater)

Obwohl sie bereits seit ihrem ersten Lebensjahr für unterschiedliche Fernsehproduktionen vor der Kamera steht, studierte die gebürtige Münchnerin zunächst Germanistik, Philosophie und Fremdsprachen an der Ludwig-Maximilians-Universität und von 2016 bis 2020 Schauspiel an der Bayerischen Theaterakademie August Everding. Bereits während des Studiums gastierte Lavinia Nowak am Residenztheater München, dem Volkstheater München und an den Münchner Kammerspielen.

Im Herbst 2020 holte sie Intendant Kay Voges als Ensemblemitglied an das Wiener Volkstheater. Wenn alles gutgeht, wird sie am 1. April 2021 in der österreichischen Erstaufführung von „Die Politiker“ Premiere feiern. Das Stück stammt aus der Feder von Wolfram Lotz  – einem der aufregendsten und spannendsten deutschen Dramatiker der Gegenwart. Gemeinsam mit der Regie von Kay Voges also mindestens drei Gründe, sich darauf zu freuen.

TV-Zuschauer und Filmfans kennen Lavinia Nowak seit Jahren: zum Beispiel aus der Fernsehserie „Familie Sonnenfeld“, in der sie vier Jahre lang eine Hauptrolle spielte, aus Krimiproduktionen wie „SOKO München“ oder dem berührenden Kinofilm „Oskars Kleid“ nach einem Drehbuch von Florian David Fitz, in dem sie neben Senta Berger zu sehen war.

Die gebürtige Wienerin ist fix am Theater der Jugend engagiert. Man kennt Victoria Hauer aber auch aus Filmen wie „Erik & Erika“ oder „Narziss und Goldmund“. Mario Traar

Victoria Hauer (24, Theater der Jugend)

„Victoria Hauer ist eine österreichische Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin. Die gebürtige Wienerin fand schon in jungen Jahren zu ihren künstlerischen Leidenschaften“, kann man unter victoriahauer.com nachlesen.

2019 war sie in der Regie von Gerald Maria Bauer nach Motiven von E.T.A. Hoffmann in „Das magische Kind“ am Theater der Jugend, wo sie festes Ensemblemitglied ist, zu sehen, 2020 ebendort in „Das große Shakespeare-Abenteuer“ – einer actionreichen, witzigen und spannenden Reise durch vier Stücke des Theater-Großmeisters.

Darin spielte sie Miranda, eine temperamentvolle Inselprinzessin, die nicht nur den von Marius Zernatto dargestellten William Shakespeare, sondern auch das Publikum verzückte. „Ich mag an meiner Rolle, dass sich Miranda so völlig ihrer Liebe zu William hingibt. Dieses Gefühl des ersten Verliebtseins, das alles andere ausblendet, ist etwas ganz Besonderes“, erklärte sie im BÜHNE-Interview. „Aus der wird noch was …“, bringt es Direktor Thomas Birkmeir auf den Punkt.

Neben ihren Bühnenengagements kann man Victoria Hauer auch regelmäßig im Kino und TV erleben. Etwa im SkifahrerInnendrama „Erik & Erika“, in Stefan Ruzowitzkys Verfilmung von „Narziss und Goldmund“ oder in der Krimiserie „Schnell ermittelt“. 

Weiterlesen: Hanna Hilsdorf: Im Aufwind durch den Angstmoment

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