Ohne sie geht gar nichts: Maria Teuchmann

Als Geschäftsführerin und Miteigentümerin des Thomas Sessler Bühnen- und Musikverlags wacht Maria Teuchmann über Stücke von mehr als tausend Autoren. Darunter Glattauer, Kehlmann und Co.

von Atha Athanasiadis, 25. Januar 2021

Ohne sie geht gar nichts: Maria Teuchmann
Maria Teuchmann im Thomas Sessler Verlag in Wien vor den Porträts ihrer wichtigsten Autoren. Sie ist die Vermittlerin zwischen ihnen und der Theater- und Filmindustrie. Foto: Nicole Schneeberger

Wenn bei Maria Teuchmann das Handy läutet – und das tut es oft –, dann reicht es, auf die Namen, die am Display auf leuchten, zu schauen, um beeindruckt zu sein: Daniel Kehlmann, Daniel Glattauer, Peter Turrini, Dieter Hallervorden, Herbert Föttinger oder Stefan Vögel steht dann dort. Oder ein anderer prominenter Name aus der europäischen Theater- oder Filmwelt.

Alle wollen von Maria Teuchmann etwas anderes, aber am Ende eint sie das Bedürfnis nach der immergleichen Botschaft: Alles wird gut. Oder wie es Maria Teuchmann selber formuliert: „Mein Tag besteht darin, alle bei guter Laune zu halten!“ Die Autoren, die Theaterdirektoren, die Filmproduzenten, die Film- und Theaterregisseure sowie deren Trabanten. Denn Maria Teuchmann hat einen Job, den außerhalb des Theaters kaum einer kennt, aber ohne den nichts geht: Maria Teuchmann ist Geschäftsführerin und Miteigentümerin des Thomas Sessler Bühnen- und Musikverlags in Wien – gegründet vom legendären Verleger Ulrich Schulenburg und mit über tausend Autoren im Portefeuille.

Ein Wochenstärkungsbusserl

Es ist Montag. Das Telefon läutet. Peter Turrini ist dran. Teuchmann verlässt kurz den Raum, und als sie wiederkommt, sagt sie: „Wir haben diese Tradition, dass wir uns jeden Montag hören und uns ein Wochenstärkungsbusserl schicken.“ Teuchmanns Job ist das Vermarkten und Finden von Autoren und Texten für Theater und Film. So kauft sie die Rechte von französischen Filmhits und lässt sie von heimischen Autoren wie Folke Braband zu Blockbusterstücken umarbeiten. Wie etwa „Monsieur Pierre geht online“. „Manchmal ruft auch ein Theater an und sagt, sie hätten da ein Buch und würden es gern zu einem Theaterstück umarbeiten lassen.“ Und so schrieb Franzobel den Akademietheater-Hit „Der Leichenverbrenner“ nach der Vorlage von Ladislav Fuks.

Daniel Glattauer hat „Die Liebe Geld“ für die Kammerspiele geschrieben und Daniel Kehlmann „Die Reise der Verlorenen“ für die Josefstadt. Glattauer und Stefan Vögel sind übrigens die meistgespielten Autoren von Teuchmann. Mehr als 140 Produktionen von Glattauers „Gut gegen Nordwind“ gibt es mittlerweile weltweit. Und die Rechnung ist simpel wie lukrativ: 14 Prozent der Ticketpreise teilen sich Verlag und Autor. Je größer die Häuser und je höher die Ticketpreise, desto höher der Gewinn. Bedeutet allerdings auch: Wenn nicht gespielt werden darf, fließt auch kein Geld – wie jetzt in Coronazeiten.

Nicht nur Hochkultur

Übrigens: Bis siebzig Jahre nach dem Tod verdienen Verlag und Erben an den Stücken, nachher sind die Rechte frei. Selbst bei den verstorbenen Künstlern geht es manches Mal um viel Geld: Ödön von Horváth (wurde 2009 rechtefrei) machte etwa ein Drittel des Verlagsumsatzes aus. Einer der ersten internationalen Coups Teuchmanns war der Erwerb der Theaterrechte von Theo van Goghs Filmmeisterwerk „Das Interview“, das weltweit gespielt wird und in Wien am Akademietheater mit Birgit Minichmayr in der Hauptrolle läuft. Und Teuchmann kann nicht nur Hochkultur: In der finalen Phase sind derzeit ein Musical mit den Hits von Roland Kaiser und ein anderes mit den Hits von Giorgio Moroder. Beide Bücher hat Stefan Vögel geschrieben – beides Stücke mit Blockbuster-Garantie.

Wir würden gern weiterplaudern – aber Maria Teuchmanns Handy läutet. Dieses Mal ist ein tobender Theaterdirektor dran, der seinen Regisseur mitten in der Produktion feuern möchte. Nach wenigen Minuten Telefonat ist alles wieder gut. Maria „Ich mach gute Laune“ Teuchmann hat wieder einen perfekten Job abgeliefert.

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Stücke von A bis Z: Der Thomas Sessler Verlag