Mit Florian Teichtmeister im Böhmischen Prater

Der Burg­schauspieler und TV-Star führt im Böhmischen Prater durch ein Wien, das zeitlos, uneitel ist und wo das Wassereis nur 30 Cent kostet.

von Atha Athanasiadis, 31. August 2020

Mit Florian Teichtmeister im Böhmischen Prater
Schauspieler Florian Teichtmeister ist bei Publikum und Katzen beliebt. Foto: Christof Wagner

Der Schaumbecher mit Schoko und ­Kokosraspel kostet so um die 2 Euro. Die Zucker­watte 2,50 und das Wasser­eis 30 Cent. Wer Minigolf spielen will, der muss zuerst seinen „Hund an die Leine!“ nehmen und dann läuten. Die Kassa ist nur selten besetzt, aber der Betreiber wohnt sowieso direkt hinter der Bahn und ist gleich da. 

Hier im zehnten Hieb in Wien, zwischen Laaer Wald und Favoritens Gemeindebauten, liegt der Böhmische Prater. 5.000 Quadratmeter Stillstand der Zeit. Über hundert Jahre alte Fahrwerke. Hölzerne Spiegelkabinette. Vergoldete Zirkuswagen. 

„Hier spüre ich Wien“

„Das dort oben ist der arme, introvertierte, aber charakterlich schönere Bruder des großen Praters im zweiten Bezirk. Hier spüre ich Wien, woher es kommt, warum es so ist, wie es ist. Der Böhmische Prater ist kein Laufsteg, dort ist alles noch sehr echt. Und man trifft hier vor allem keine Schauspieler“, hat Florian Teichtmeister gesagt, als er uns im Vorfeld seinen ganz persönlichen Kraftplatz beschrieben hat.

Vor dem Schlemmer­treff Tivoli finden wir wie vereinbart zusammen. Die „Pizza Spezial Langos mit Sauerrahm, Schinken und Käse“ gibt es um 4,50 Euro. Florian Teichtmeister, bekannt aus Film, Fernsehen und Theater, schlendert entspannt durch die Fußgängerzone. „Es ist nicht modisch, hier zu sein, es ist auch nicht von der Haltung her wichtig, hier gesehen zu werden, wie etwa am Brunnenmarkt. Du musst zuerst an Gemeindebauten vorbeifahren, um hierherzukommen. Für mich manifestiert sich an diesem Ort die Geschichte des multikulturellen Wien.“

Eine Katze kreuzt unseren Weg. Teichtmeister will nach ihr greifen. Der Besitzer, einer der Schausteller, schüttelt den Kopf: „Bua, tua des net. Die måg kane Leit.“ In der Sekunde hat Florian Teichtmeister sie schon am Arm. Sie schnurrt glücklich. „Na so was“, wundert sich ihr Besitzer. 

„Der charakterlich schönere Bruder des großen Praters“, Florian Teichtmeister über den Böhmischen Prater. Foto: Christof Wagner

Über sechs Millionen Quote macht die Fernsehkrimiserie „Die Toten von Salzburg“ in Deutschland. Repertoirestücke an der Josefstadt – wie etwa „Professor Bernhardi“ – sind immer ausverkauft. Aktuell ist Teichtmeister Ensemblemitglied des Burgtheaters und wird im Herbst „entweder Shakespeare oder was von Oscar Wilde spielen. Aber was, darf ich noch nicht sagen.“ Er mag es dort: „Mit ­jeder Produktion ändern sich die Leading Teams, die Heran­gehensweise ans Theater. Das fordert mich und taugt mir sehr.“

Verlust des Vornamens als Ritterschlag

Florian Teichtmeister hat den Ritter­schlag des Wiener Publikums ­bereits erhalten: den Verlust des Vornamens. „Schau, der Teichtmeister“, sagen die Leute auch hier im Böhmischen Prater. Mit einigen kommt der Schauspieler ins Plaudern. Er mag die Menschen. Und sein Leben: „Ich bin so froh und demütig, dass ich all die Dinge machen darf. Das verdanke ich den Menschen hier draußen. Dem Publikum.“ 

Florian Teichtmeister im Böhmischen Prater
Ab Herbst ist Florian Teichtmeister am Burgtheater in Wien zu sehen. Foto: Christof Wagner

Das Echte ist das, was er sucht: „Hier war die Kantine der Ziegelwerke. Die Arbeiterschaft hat hier Pause gemacht. Dann hat einer ein Ringelspiel aufgestellt, und die Menschen haben sich von ihrer harten Arbeit erholt.“ Wir sitzen mittlerweile im Maul eines riesigen Plastikdrachens, hier ist Schatten.

„Des Corona ist a echter Schas“, sagt die Betreiberin der Geisterbahn, mit der keiner fahren will. „Ja“, sagt ­Florian Teichtmeister, „aber ich habe die große Hoffnung, dass die Menschen uns die Tür einrennen, sobald es wieder geht.“ Die Frau nickt: „Weil ohne euch und ohne uns isses total fad auf der Welt.“

Zur Person
Florian Teichtmeister, 41
Sein Vater ist Notar, die Freundin seit der Schulzeit an seiner Seite. Und er hat schon jeden gefährlichen Sport probiert – außer Tauchen, wie er sagt.

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