Stefano Bernardin, der Allesmacher

Die Galleria dell’Accademia, das Orchester Braunschweig und das Theater der Jugend haben gemeinsam einen Film gemacht. In der Rolle der David-Statue: Stefano Bernardin. Nicht nackt.

von Atha Athanasiadis, 15. Januar 2021

Stefano Bernardin, der Allesmacher
Allein im Theater. Fotoshooting im leeren Kabarett Simpl in Wien. Während Corona spielte Stefano Bernardin in einem Filmprojekt des Theaters der Jugend. Foto: Sasa Felsbach

Fernsehen, Werbung, Theater, ­Kabarett, Stefano Bernardin macht alles. Begon­nen hat seine Bühnenkarriere aber im Theater der Jugend, wo er auch seinen ersten und bislang einzigen Nestroypreis erhielt. Jetzt ist der Wiener mit Wurzeln in Florenz wieder an die Startrampe seiner Karriere zurückgekehrt, und zwar für den Film „Wunderkinder – Bambini prodigio“, eine Kooperation zwischen der Galleria dell’Ac­cademia di Firenze (Florenz), der Stiftung Braunschweigischer ­Kulturbesitz, dem Staats­orchester Braunschweig und dem Theater der Jugend, dessen Chef­dramaturg, Gerald Maria Bauer, auch ­Regie führte. Ein innovatives Corona-­Projekt, das auf dem YouTube-Kanal des TdJ abrufbar ist. 

Mozart in Florenz

Der Inhalt: Die Zuseher begleiten den 14-jährigen Wolfgang ­Amadeus Mozart mit dem ­gleichaltrigen englischen Geigenvirtuosen Thomas Linley 1770 nach Florenz, wo sie gemeinsam mit dem italienischen Mädchen Zerlina der monumentalen David-Statue des Michelangelo be­gegnen. 

Wir haben mit einem gutgelaunten Stefano Bernardin im Interview über seine An­fänge in TV-­Serien und seine große Liebe zum Theater gesprochen.

BÜHNE: Sie haben im Theater der Jugend Ihre Karriere begonnen.

Stefano Bernardin: Ich habe dort begonnen und auch gleich einen Nestroy gewonnen – natürlich nur wegen des tollen Regisseurs Thomas Birkmeir, sonst wäre es vermutlich die Goldene Himbeere geworden. Tja, und dann bin ich dort hängengeblieben.

Nestroy-Preis und Dancing Stars

War das Ihr erstes Engagement am Theater?

Es war mein erstes, und danach ging es nur mehr bergab … (Grinst.) Davor habe ich noch die Romy bekommen und dann den Nestroy, und das war’s dann mit den Preisen.

Die Romy haben Sie für welche Rolle bekommen?

Für „Schlosshotel Orth“. Wenn man als junger Mensch in einer derartigen Serie spielt, wird man nicht wirklich ernst genommen. (Lacht.) Darum war der ­Nestroy so wichtig für mich. Wobei ich es mir gleich wieder schwer gemacht habe, weil ich im selben Jahr in „Dancing Stars“ mitgemacht habe. Michael Schottenberg hat mir damals den Preis überreicht und sich lustig gemacht, und dann hat er Jahre später selber mit­getanzt. Das fand ich witzig.

Welche Rolle haben Sie bei „Schlosshotel Orth“ gespielt?

Da war ich der Sohn von ­Konstanze Breitebner und Albert Fortell.

Herzliches Beileid …

Ja, die Ähnlichkeit war verblüffend. (Lacht.) Damals wurden mir die Wimpern und Haare etwas heller gefärbt, damit ich dem Albert Fortell ähnlicher sehe, und im Laufe der Jahre bin ich dann immer dunkler geworden – in Richtung Konstanze Breitebner …

„Im Theater der Jugend lernt man, keine Angst vor der Bühne zu haben.“

Stefano Bernardin

… und dann hat Thomas Birkmeir gesagt: „Den Buben retten wir“?

Ja, wir haben uns sofort verstanden und tolle Produktionen gemacht. Ich habe „Das Mädchen am Ende der Straße“ gespielt und in der „Komödie der Irrungen“. Den Nestroy bekam ich für „Herz eines Boxers“. Ich gestehe: Bei Thomas Birkmeir habe ich alles gelernt, was man als Schauspieler brauchen kann. Das Theater der Jugend fördert junge Talente, dort hast du die Chance, dich auszuprobieren. Dort lernt man, keine Angst vor der Bühne zu haben. 

Das Theater gehört dem Schauspieler

Was ist für Sie der Unterschied zwischen Theater und Film?

Theater ist mein Beruf. Theater ist der Grund, warum ich Schauspieler bin. Du hast die unmittelbare Reaktion des Publikums. Und irgendwann, wenn du da oben stehst, können dich alle kreuzweise, weil irgendwann gehört dir die Bühne, und es ist egal, was irgendwer über dich gesagt hat – dann bist du mit dem Publikum allein. Das Theater gehört dem Schauspieler. Beim Film bist du einer unter hundert. Auf der Bühne bist nur du und die Menschen. Ein bisserl Licht braucht man selbstverständlich auch noch … (Lacht.)

Sie spielen derzeit im Simpl.

Ich drehe jetzt in den nächsten Monaten noch drei „Bozen-Krimis“. Aber mich hat der Michael Niavarani bereits angerufen und gesagt, er hätte da eine Idee und ob ich im nächsten Spätsommer etwas vorhabe. Habe ich nicht …

„Ich habe immer alles gemacht, und es hat mir auch alles immer ge­holfen.“

Stefano Bernardin

Was würden Sie einem Jungschauspieler raten?

Ich sage immer: Macht alles! Macht Werbung, ­Synchro­nisationen, macht Off-Theater, spielt um kein Geld, macht Per­formances. Ich habe immer alles gemacht, und es hat mir auch alles immer ge­holfen. Ich mache ja noch immer alles, und es macht mir immer noch alles Spaß.

Zur Person: Stefano Bernardin

Stefano Bernardin

Seine Schauspiellehrerin war Elfriede Ott. Er absolvierte das Konservatorium der Stadt Wien
und gewann 2002 die Romy und 2005 den Nestroy. Der 43-Jährige hat drei Söhne und scheitert derzeit ­gemeinsam mit seinen Kindern im Distance Learning an den Fächern Mathematik und Physik.

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